Acht Tage habe ich nichts als Wege ziehen, Häuser bauen und zahllose verdammte Bäume pflanzen können“, so schrieb der 28jährige Helmuth von Moltke im August 1828 an seinen Bruder Ludwig. Ein wildgewordenes Ochsengespann hatte seinen Meßtisch umgefegt und das im Gelände aufgenommene Kartenblatt so zugerichtet, daß er es neu zeichnen mußte.

Mit diesem Problem hatte sich der spätere Generalfeldmarschall nur deshalb auseinanderzusetzen, weil das „Topographische Bureau des Großen Generalstabs“ sich entschlossen hatte, vom Jahre 1816 an die preußischen Provinzen im Maßstab 1:25 000 kartographisch aufzunehmen (ein Zentimeter Kartenstrecke entspricht 250 Metern Naturstrecke). Das bedeutete: Alle zukünftigen preußischen Generalstäbler wurden dazu verdonnert, jedes Jahr zwei Meßtischblätter – unmittelbar im Gelände skizzierte Landschaftsinformationen – dem Topographischen Bureau abzuliefern. Sie arbeiteten im Sommer mit Meßtisch und Kippregel im Gelände, im Winter in der Stube an der Reinzeichnung der Karte, die jeweils ein Gebiet von etwa 120 Quadratkilometern umfaßte. Nicht weniger als 3560 preußische Kartenblätter in diesem Maßstab mußten angefertigt werden, streng geheim, versteht sich; denn die Geländeaufnahmen der Generalstabsaspiranten dienten als Arbeitsunterlagen für die Karte 1:100 000 (ein Zentimeter in der Karte gleich einem Kilometer in der Natur), die sogenannte „Generalstabskarte“.

Bedürfnisse von Wirtschaft, Wissenschaft und Technik führten von 1875 an zur Veröffentlichung dieses Kartenwerkes. Die Original-Kupferstichplatten wurden im 2. Weltkrieg fast vollständig vernichtet. Die fällige Neubearbeitung der 157 Kartenblätter des Bundesgebietes durch die ländereigenen Landesvermessungsämter im „Maßstab der Generäle“ 1:100 000 ist noch nicht abgeschlossen.

Der Schweizer Verlag Kümmerly + Frey hat nun mit dem „Deutschen Universal-Atlas“ im „Ideal-Maßstab 1:100 000“ – wohlgemerkt, es heißt nicht mehr “General-Maßstab“ – einen neuen Atlastyp konzipiert: im handlichen DIN-A4-Format, sowohl für den privaten als auch für den beruflichen Gebrauch. Vier Bundesländer (Schleswig-Holstein, 16,80 Mark; Nordrhein-Westfalen, 19,80 Mark; Baden-Württemberg, 19,80 Mark; Hessen, 19,80 Mark) sind bisher auf Karten erschienen, beigebunden sind für Reiseplanungszwecke das gesamte Bundesgebiet im fünfmal kleineren Maßstab 1:500 000 und ein Ortsregister mit Postleitzahlen.

Durch ein praktisches Umschlagsystem ist die Erklärung der zahlreichen Freizeitsymbole – von Aussichtspunkt bis Zoo mit den Eintragungen in den Karten vergleichbar.

Beim Kartenstudium fallen dann freilich einige Koordinationsschwierigkeiten auf. So läßt sich zum Beispiel das Vogelschutzgebiet Trischen in der Helgoländer Bucht auf der Deutschlandkarte auffinden. Doch im Kartenteil mit „Ideal-Maßstab“ sucht man die Beschriftung dieser Sandbank vergeblich.

Auch die Farbgestaltung der beiden Kartenteile ist sehr unterschiedlich. Es genügt einfach nicht, eine Kartenserie in Auftrag zu geben oder aufzukaufen und die graphische Darstellung der Gebirge von einem Kartenwerk zu verwenden, das um die Hälfte kleiner ist als das vorgestellte.

So sehr die preiswerte Atlantenserie auch zu begrüßen ist, die Schweizer Kartenmacher haben schon vielfach bewiesen, daß sie es auch noch genauer können. Günther Edelmann