München

Fahrt mit dem Auftrag im dritte Kellergeschoß, aussteigen. Ein langer, weißgestrichener Gang, der in einer Wartehalle endet. Kunststoffboden, der jeden Tritt laut zurückgibt. Neonlicht, kalt, ungemütlich. Wir befinden uns auf dem Weg in die Strahlentherapieabteilung eines Großklinikums.

Wir zwei, mein Vater, krebskrank, ausgezehrt, wegen der Schmerzen in seinen zerfressenen Knochen nur noch langsam zu Fuß, dennoch so aufrecht wie möglich, so tapfer wie möglich, und ich seine Tochter, Medizin-Studentin, Bewacher und Beschützer, gesund.

Stühle, fest verankert, hartes, braunes Holz, gut für kurze Wartezeiten mit gesunden Knochen. Vater setzt sich, ich gehe zum Glaskiosk, ihn anzumelden: seinen Namen, seine Diagnose, welche Art Carcinom.

Ich setze mich neben meinen Vater. Eine ganze Reihe von Türen geht von dieser Halle ab, in die Behandlungskabinen. Mit uns warten andere Patienten, alles Krebspatienten, wie aus ihrer Unterhaltung klar wird. Einige lächeln uns zu.

Vater versteckt sich gleich hinter seiner Tageszeitung, wir warten. Eine Stunde, zwei Stunden vergehen, immer öfter schauen wir auf die verschlossenen, dunkelgrauen Türen. Noch ist überhaupt kein Patient aufgerufen worden. Es kommen nur ständig neue Warter dazu. Vater ist blaß, kalter Schweiß steht ihm in kleinen Perlen auf der Stirn.

Grauer Kunststoffboden, Neonlicht, große graue Türen, hellgraues Mosaik, eine große Uhr. Ab und zu laute Stimmen von Weißbekittelten, die alle eine Vorliebe für Holzschuhe mit gutem Echo auf dem Fußboden haben.