DIE ZEIT

Bonns Strategie

Die Zeit des Ausklammerns und Lavierens in der Europäischen Gemeinschaft neigt sich ihrem Ende zu. Das Zehner-Europa stößt an die Grenzen seiner finanziellen Möglichkeiten.

Und nun: die Raketengespräche

Monatelang war innenpolitische Nabelschau allenthalben Trumpf. Haushaltskürzungen und Wirtschaftsprobleme, Koalitionskrisen, Kabinettsumbildungen und Machtwechsel hielten die westlichen Länder in Atem.

Selbstblockade?

Die Bundesratssitzung dieser Woche wird an den Tag bringen, was die Auguren längst raunen und die Bundestags-Debatte in der vergangenen Woche immerhin ahnen ließ: Die Stunde der Opposition ist, wieder einmal, eine Stunde der Regierenden – der Landesfürsten.

Tod in Berlin

Für "einen schweren politischen Fehler" und "eine Mißachtung des Parlaments" hält der Berliner Ex-Bürgermeister Hans-Jochen Vogel die Räumung von acht besetzten Häusern durch die Polizei.

Mahlzeit

Nach einem Tischgebet nahm sich der Schweizer Landarzt Bastien eine Portion in Butter gesottener Knollenblätterpilze und verspeiste sie anscheinend mit Behagen.

Worte der Woche

"Wenn sie verhaftet sind, werden wir nicht darauf warten, daß sie mehrere Monate im Gefängnis verbringen, essen und schlafen und die Staatskasse in Anspruch nehmen.

Zeitspiegel

Welche Entschädigung sollen die 32 Amerikaner bekommen, die Von persischen Studenten in der Teheraner US-Botschaft 444 Tage lang als Geiseln festgehalten worden waren? Einige Anwälte fordern bis zu 1000 Dollar für jeden Tag, den ihre Mandanten in der besetzten Botschaft verbringen müßten.

Bundeswehr: Kostspielige Klingen-Schärfung

Auf dem Feldherrnhügel südlich von Meßstetten in der Schwäbischen Alb herrschte, ein buntes Gewimmel: goldbetreßte Uniformen quer durch das Farbenspektrum, breite Ordensbrüste und darüber alle nur erdenklichen Kopfbedeckungen vom schlichten Käppi oder Barett über gewaltige Schirmmützen bis zum elegant geschlungenen Turban.

Polen: Vorwürfe, Drohungen und Appelle

Zum zweitenmal in diesem Jahr hat die Sowjetunion eine scharfe Warnung an Polen gerichtet. Gleichzeitig verschärften sich die Spannungen zwischen Gewerkschaft und Partei.

Das Ende der Guillotine

Nun darf die Guillotine endlich rosten. Die makabre Erfindung des Dr. Joseph-Ignace Guillotin aus den Tagen der Französischen Revolution, unter der seitdem Hunderte von Köpfen gerollt sind, wurde in der vorigen Woche von der Pariser Nationalversammlung zum Museumsstück degradiert.

Bei wem fühlt sich Kollege Genscher wohl?

Auf Erhard Eppler sind zur Zeit wohl nur wenige aus der SPD-Führung gut zu sprechen. Helmut Schmidt hat ihn gemeint, als er während der Etatdebatte des Parlaments jenen Politikern riet, "die auf solchen Kundgebungen reden, immer auch die unerwünschten Folgen mitzubedenken".

England: Wandel angebahnt

Einige Delegierte suchten die Rednerliste zu ändern, um den drohenden Pakt mit den Sozialdemokraten zu verhindern. Vergebens: Englands Liberale wittern nach einem halben Jahrhundert die Chance, endlich an die Macht zurückzukehren.

"Wir müssen gelassen bleiben"

ZEIT: Die RAF hatte letztes Jahr angekündigt, den "Kampf gegen den US-Imperialismus und die Nato, gegen ihre aggressiven außen- und innenpolitischen Ziele zu organisieren".

Die Schlinge zieht sich zu

Seit der ersten Sitzung der Bonner Atomkommission im Januar 1956, drei Jahre vor der Verabschiedung des Bundesatomgesetzes, stand fest, daß die Kernenergie drei Hürden nehmen mußte, um sich auf Dauer zu etablieren: Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Bedarf, Abfallbeseitigung.

Gerd Bucerius zu Fragen der ZEIT: Nachtrag zu einem Kongreß

Da schreibt die Welt (21. September 1981): "Für die Zivilbevölkerung in der Bundesrepublik gibt es nach Ansicht eines Kongresses von meist linksgerichteten Ärzten bei einem Atomschlag keine Schutzmöglichkeiten und keine Hoffnung auf wirksame ärztliche Hilfe.

Sowjetische Geschichte: Die Angst vor der Wahrheit

Keine Forschung kann etwas Schlimmeres an den Tag bringen, als die unbegründete Vermutung annimmt." Das Wort stammt von Altmeister Ranke, und er wandte es im Jahre 1834 gegen die Geheimniskrämerei in den vatikanischen Archiven.

Zehn Frauen machen eine Zeitung

Auf dem Flohmarkt am Mainufer, wo sich jeden Samstag halb Frankfurt an den Ständen vorbeischiebt, verkaufen wir unser. Frankfurter Frauenblatt.

Vernachlässigte Fragen: Was Männer vergessen

Frauenvereinigungen rufen hierzulande meist ein müdes Lächeln oder Aggressionen hervor. Alte Tanten, die seit dreißig Jahren larmoyante Wehklagen über weibliche Diskriminierung herunterbeten oder militante Feministinnen, die mit der lesbischen Freundin im Frauenhaus Dienst tun und ihre Großmutter zur mythischen Göttin erheben – das sind die Schreckbilder, an die sich die Öffentlichkeit gern hält.

In einem Großklinikum

Fahrt mit dem Auftrag im dritte Kellergeschoß, aussteigen. Ein langer, weißgestrichener Gang, der in einer Wartehalle endet.

Autoindustrie: Zweckoptimisten

Vor der Automobilausstellung in Frankfurt muß es wohl eine geheime Absprache gegeben haben: Keiner der Automanager redet noch von den Japanern – und jeder gibt sich optimistisch für die Zukunft der Branche.

Franc-Abwertung: Aufgeschoben

Der französische Franc ist in arger Bedrängnis. Da helfen keine amtlichen Dementis und keine demonstrative Zuversicht. Auch die jüngste Verschärfung der Devisenvorschriften und die Erhöhung der Zinsen haben am Problem nichts geändert.

Bundesrat: Gegen den Mißbrauch

Die Länder rüsten zum Kampf gegen die Sparpläne der Bonner Regierungskoalition. Mit ihren Gegenvorschlägen rühren sie einige heiße Themen an: Mißbrauch, von dem in den Beschlüssen der Bundesregierung nur wenig die Rede war.

Zeitschriften: Teure Reise in die Neue Welt

Der neue Verlagschef nimmt es eher gelassen. "Geo USA", sagt Gerd Schulte-Hillen, seit Mitte dieses Jahres Vorstandsvorsitzender des Hamburger Zeitschriftenverlages Gruner + Jahr, "ist sicherlich keine Erfolgsstory, aber man kann nicht immer Erfolg haben.

Europäische Gemeinschaft: Allein im Regen

Bonns Unterhändler in Brüssel geben sich neuerdings ungewöhnlich konziliant. Ob im Ministerrat der Europäischen Gemeinschaft (EG) oder im Ausschuß der Ständigen Vertreter der Mitgliedstaaten bei der Gemeinschaft – die Abgesandten der Bundesregierung signalisieren Kompromißbereitschaft.

Neuerscheinungen

Koordination in zersplitterten Industriebranchen. Die Gestaltung von Informations- und Warenfluß In der schweizerischen. Uhrenindustrie.

Manager und Märkte

Wenige Tage vor der Internationalen Automobilaustellung (IAA) in Frankfurt wurden Manager des VW-Konzerns nicht müde zu versichern, VW-Chef Toni Schmücker habe seinen Herzinfarkt inzwischen überwunden und werde schon im Oktober wieder an seinen Schreibtisch in Wolfsburg zurückkehren.

Zeitraffer

Uneinig sind sich zur Zeit die Beobachter des deutschen Arbeitsmarktes in ihren Prognosen. So geht die Bundesanstalt für Arbeit mit Blick auf Statistiken aus den Vorjahren davon aus, daß die Zahl der Arbeitslosen im September leicht zurückgehen.

Nicht der Dollar allein

• Herr Buddenberg, die Sorge, daß die Benzinpreise nie wieder sinken, war offenbar unbegründet. BP hat jetzt – trotz aller Klagen über Verluste im Ölgeschäft – zweimal innerhalb weniger Tage die Tankstellenpreise gesenkt.

Kernkraft: Eine Ruine zum Vorzeigen

Wenn alles nach Plan verläuft, dann wird dort, wo heute unmittelbar an der Isar im niederbayerischen Niederaichbach ein Kernkraftwerk steht, in wenigen Jahren wieder eine grüne Wiese sein, auf der die Kühe weiden.

Vereinigte Staaten: Öl sucht Dollars

Frohen Mutes baute die Mannschaft ihren Bohrturm unter der sengenden Sonne Louisianas auf. Unter dem Bohrplatz im tiefen Süden der Vereinigten Staaten vermutete der Bohrtrupp Öl, viel Öl.

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