Im europäischen Seilbahnbetrieb zeichnet sich ein Wandel ab. Neues soll nicht mehr auf die Berge gestellt, statt dessen Vorhandenes besser genutzt werden.

Kabinenbahnen, Sesselbahnen und Skilifte werden kaum noch gebaut, dafür möchte man die über 6000 derzeitigen Anlagen in Deutschland, Österreich und in der Schweiz modernisieren, ausbauen und teilweise auch für den Sommer nutzbar machen. Auf den Skilift-Trassen sollen zum Beispiel elektrogetriebene Schienenwagen die grüne Wiese bergan fahren. Ein weiterer Plan: Im Sommer bringen die Seilbahnen, die sonst Skifahrer befördern, Ausflügler den Berg hoch, die dann auf riesigen Gaudirutschbahnen wieder zu Tal fahren.

Diese und andere Zukunftsvisionen von der touristischen Szenerie im Gebirge tauchten auf dem 5. Internationalen Seilbahnkongreß OITAF Mitte September in München auf. Der Kongreß fand, kombiniert mit der Fachmesse für Technik im Gebirgstourismus „Intermontec“ erstmals in Deutschland statt. Man war sich dabei einig, daß Alpen und Mittelgebirge durch Aufstiegshilfen genug erschlossen seien. Auch rein wirtschaftlich könne man den Bau neuer Anlagen nicht vertreten, denn zuerst müßten die bestehenden Lifte und Seilbahnen aus den roten Zahlen geführt werden. Höhere Beförderungsgebühren gäbe der Markt nicht her, die zu 40 Prozent defizitären deutschen Seilbahnunternehmen könnten statt dessen nur versuchen, ihre Anlagen besser zu nutzen. Unter anderem auch durch den Sommerbetrieb auf den bisherigen reinen Winteranlagen und einen verstärkten Einsatz von „Schnee-Artillerie“, um Kunstschnee aus dem Wasserschlauch zu erzeugen.

Selbstbedienung am Skilift, mehr Lawinensicherheit und bessere Sicherungsvorschriften für Kinder waren weitere Themen des OITAF-Kongresses. Weltweit gibt es derzeit rund 21 000 Seilbahnen und Lifte. Seit 1975 ist die Zahl der Anlagen um rund 30 Prozent gestiegen. In Europa dürfte jetzt eine Stagnation einsetzen. hgu