Nach einem Tischgebet nahm sich der Schweizer Landarzt Bastien eine Portion in Butter gesottener Knollenblätterpilze und verspeiste sie anscheinend mit Behagen. Millionen sahen ihm am Fernsehschirm bei dieser Mahlzeit zu. Sie bewunderten den Mut des Doktors, der mit dieser Horror-Show seine skeptischen Berufskollegen davon überzeugen wollte, daß er die lebensbedrohende Pilzvergiftung mit einer Mischung aus Ascorbinsäure und einem Antibiotikum zu heilen vermag.

Erprobungen neuer Heilverfahren oder Arzneimittel am eigenen Leibe sind in der medizinischen Forschung eher die Regel als die Ausnahme. Neu freilich ist die Inszenierung eines Selbstversuches als Spektakel. Sollen kontrollierte klinische Prüfungen neuer Chemotherapien künftig durch Fernsehsendungen ersetzt werden?

Offenbar haben die Veranstalter die gefährlichen Nebenwirkungen des Experimentes völlig übersehen. Denn manch einer könnte nun versucht sein, sich bei einer Pilzvergiftung selbst mit Doktor Bastiens Pharma Mixtur zu behandeln und deshalb die rettende Hilfe eines Arztes versäumen. Das Fernsehen als Lebenshilfe? So gewiß nicht. –ow