Wenige Tage vor der Internationalen Automobilaustellung (IAA) in Frankfurt wurden Manager des VW-Konzerns nicht müde zu versichern, VW-Chef Toni Schmücker habe seinen Herzinfarkt inzwischen überwunden und werde schon im Oktober wieder an seinen Schreibtisch in Wolfsburg zurückkehren. Manch einer allerdings säte dann neue Zweifel an der Gesundheit des VW-Bosses, wenn er sich in privatem Gespräch doch zu auffällig mühte, seinen Namen in die Diskussion um eine mögliche Schmücker-Nachfolge einzubringen.

Schmücker muß das geahnt haben, denn kurz vor der Eröffnung der IAA tauchte er in der vorigen Woche von der Öffentlichkeit unbemerkt in Frankfurt auf, ließ sich den VW-Messestand in Halle 5 zeigen, sprach mit seinen Vorstandskollegen und verschwand wieder in den Genesungsurlaub. Die Stippvisite, von der die VW-Presseabteilung gezielt einigen Journalisten berichtete, sollte wohl endgültig Gerüchten um Schmückers Abschied den Böden entziehen. Bild jedoch war nicht dabei und verstand die Zeichen falsch. Unter der Schlagzeile „Toni Schmücker ein ,Totgesagter‘ ging durch Halle 5“ entfachte das Springerblatt die Nachfolgediskussion neu.

Die IAA so meinte wohl Daimler-Benz-Entwicklungschef Werner Breitschwerdt, ist der geeignete Ort, um das Umweltbewußtsein des Autokonzerns ins rechte Licht zu rücken: „Umweltschutz erstreckt sich bei Daimler-Benz nicht nur auf die Produkte, sondern auch auf die Produktion“, vermeldete er stolz; „unser Fächer von Farbtönen ist heute frei von Schwermetallverbindungen.“

Zwei Tage später bei der „Stunde der Technik“ des Motor Presse Clubs auf dem Hockenheimring kam es dann an den Tag: Schon vor zwei Jahren hat sich die deutsche Autoindustrie abgesprochen, Lacke, die Schwermetalle enthalten, nicht mehr zu verwenden; Mercedes ist nicht Vorreiter; sondern Nachzügler.

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Die Absatz- und Preiskrise in der Chemiefaser-Industrie läßt die Unternehmen weiterhin an Stillegungen denken. Mit einem spektakulären Hungerstreik wollen derzeit vier Kollegen aus dem Kasseler Werk der Enka AG ihren Vorstand zum Einlenken zwingen. Denn monatelange Verhandlungen hatten Vorstandschef Hans-Günther Zempelin nicht von seinem Plan, das Kasseler Werk mit rund 800 Beschäftigten zu schließen, abbringen können. Und auch ein Gegengutachten, in dem der Betriebsrat bei grundsätzlich gleichen Marktprognosen zu dem Ergebnis kommt, Kassel sei durchaus zu retten, half nichts, obwohl auch die Leitenden Angestellten des Werkes den Befund unterstützen. Warum gelingt bei uns nicht, was bei Triumph-Adler geht, fragen die Enka-Beschäftigten verbittert. Dort hat der massive Protest der Belegschaft bewirkt, daß Stillegungspläne zurückgezogen wurden. Auch die hessischen Minister Armin Clauss (Soziales) und Klaus-Jürgen Hoffie (Wirtschaft) konnten den Streit bei Enka nicht schlichten. Zwar verordneten sie dem Unternehmen einen dritten Gutachter, der die beiden Alternativen prüfen soll. Doch der Betriebsrat lehnt die Deutsche Treuhandgesellschaft ab, die diese Rolle übernehmen soll. Sie arbeite schon „seit dreißig Jahren“ für den Enka-Vorstand. Betriebsratsvorsitzeader Helmut Haase und seine drei Kollegen hungern also vorerst weiter.