Tokio will auch im Weltraumgeschäft den ersten Platz

Von Helmut Becker

Der spektakuläre Jungfernflug der US-Raumfähre Columbia hat unsere Ministerien beflügelt“, hatte die Tokioter Wirtschaftstageszeitung Nihon Keizai Anfang Mai konstatiert. Anlaß zu diesem Frohlocken gab eine Langzeitstudie des Ministeriums für Außenhandel und Industrie (Miti), die Japans Industrie eine Zukunft im Weltraum verheißt.

Bis Mitte des nächsten Jahrzehnts soll der jährliche Produktionswert der japanischen Raumfahrtindustrie von gegenwärtig 110 Milliarden Yen (rund 1,2 Milliarden Mark) auf das Zehnfache gewachsen sein. Der Welt verspricht das Miti zugleich einen neuen Exportschlager aus Nippon: Bodenstationen und vor allem Satelliten. Während das Inselreich mit den Industriestaaten wegen erdgebundener Transportmittel – vor allem auf dem Automobilmarkt – auf Kollisionskurs fährt, bereitet Tokio ein Überholmanöver im Raum vor.

Zur Realisierung dieser hochfliegenden Pläne „bedarf es der führenden Initiative und Finanzierung durch die Regierung“ empfahl der Miti-Beirat für Grundfragen der Raumfahrtindustrie in einer vom Amt in Auftrag gegebenen Untersuchung über Japans industrielle Zukunft im Raumfahrtzeitalter.

Nicht für militärische Zwecke

Während sich die Großmächte zwischen der friedlichen Nutzung des Weltraums und der Vorbereitung militärischer Stationen im Raum verzetteln, denkt Japan, wie gehabt, streng an die Vermarktung. Nippons Raumfahrtziele sind deshalb überaus erdverbunden: Sonnenenergiegewinnung, Satelliten für Rohstoffprospektion und Sicherung von Nahrungsmittelquellen sowie der expansive Zukunftsmarkt mit Himmelskörpern für Kommunikation und industrielle Produktion im All.