Die deutsche Wirtschaft wird mit schwierigen Bedingungen schneller fertig als andere

Von Rudolf Herlt

Man soll den Sieg nicht vor dem Ende der Schlacht feiern. Die Versuchung dazu ist gegenwärtig groß, vor allem für jene, die das Bild der wirtschaftlichen Lage in der Bundesrepublik ein wenig aufhellen möchten. Der Bundeskanzler hat in der Haushaltsdebatte gezeigt, wie man so etwas macht. Ganz beiläufig nannte er einige wenige Fakten, gegen die auch die besten Oppositionsargumente wirkungslos blieben.

Seit dem 10. August steigt der internationale Wert der Mark, während der Dollarkurs fällt. Anfang dieser Woche kostete ein Dollar nur noch 2,23 Mark, 34 Pfennig weniger als am 10. August. Ausländisches Kapital fließt nun wieder in die Bundesrepublik, obwohl unsere Zinsen seit dem 9. September auf breiter Front leicht gesunken sind. Die internationale Finanzwelt glaubt, daß die Mark nun wieder zu den aufwertungsverdächtigen Währungen gehört. Wenn ein Aufwertungsgewinn winkt, sind Ausländer auch mit niedrigeren Zinsen zufrieden. Der Bundeskanzler wäre seinen Ruf nicht wert, wenn er diesen Vertrauensbeweis in die deutsche Währung nicht sogleich auch den Haushaltsbeschlüssen der Koalition zugeschrieben hätte.

Dabei hat er nicht einmal so unrecht, wenngleich seine Version nur ein Teil der Geschichte ist. Kritiker mögen noch so viele Haare in der Suppe finden – fest steht, daß die Begrenzung der Schuldenaufnahme für den Bundeshaushalt 1982 der erste Schritt in die richtige Richtung ist, so spät er auch kommt. Wer Signale zu deuten versteht, der begreift, daß die Bundesregierung endlich entschlossen ist, der Bundesbank in ihrem bisher einsamen Kampf gegen die Inflation künftig zu helfen.

Die Entscheidung ist der sozial-liberalen. Koalition gewiß nicht leicht gefallen. Die große Regierungspartei wollte um keinen Preis schwere Eingriffe in die Leistungsgesetze zulassen, die unser soziales Netz tragfähig halten. Sie wäre allenfalls damit einverstanden, die mißbräuchliche Nutzung dieses Netzes zu erschweren. Der kleinere Partner hat unter Führung des streitbaren Bundeswirtschaftsministers Otto Graf Lambsdorff, der in den Koalitionsgesprächen bis an den Rand einer Zerreißprobe gegangen war, zwar die soziale Front der SPD nicht aufbrechen können, dafür aber Abschreibungserleichterungen durchgesetzt, die vorher niemand für möglich gehalten hätte.

Später wird niemand mehr fragen, wie die Haushaltsbeschlüsse zustande gekommen sind. Was zählt, ist ihr Inhalt. Solche Entscheidungen schaffen Vertrauen, Vertrauen in die Entschlossenheit der Regierung, auch vor sehr schwierigen Aufgaben nicht zu kapitulieren, Vertrauen, das am Ende der Mark zugute kommt.