Kein Wunder also, daß anlagesuchendes Kapital den Weg wieder in die Bundesrepublik findet, wo Regierung und Wirtschaft richtige Weichenstellungen vorgenommen haben. Zur Zeit sind jene Milliarden auf Wanderschaft, die in Dollaranlagen geparkt hatten. In den Vereinigten Staaten begann nämlich der Zweifel zu nagen, ob die drastischen Ausgabenkürzungen der Reagan-Administration bei gleichzeitigen Steuersenkungen und Aufstockungen der Verteidigungsausgaben jenen Stimmungsumschwung bringen werden, der zum erfolgreichen Kampf gegen die Inflation nötig ist.

Die US-Haushaltsdefizite haben noch immer gigantische Ausmaße und zwingen die amerikanische Zentralbank, die Antiinflationswaffe der Zinsen besonders scharf zu halten: Sie sind trotz leichter Rückgänge noch immer ungewöhnlich hoch. Der amerikanische Notenbankchef Paul A. Volcker hat erst kürzlich vor einem Senatsausschuß erklärt, daß der Zwang zur Finanzierung der hohen Haushaltsdefizite durch Schulden die Zinsen hochhalten wird.

Noch vor einem Monat hätten uns solche Aussichten erschreckt, weil das auch für uns die Fortsetzung der Hochzinspolitik bedeutet hätte. Das ist jetzt anders geworden. Wenn die Mark stark und aufwertungsverdächtig bleibt, kann sich die Bundesbank vom hohen Zinsniveau der Amerikaner abkoppeln. Sie wird es vorerst nicht durch spektakuläre Akte von Diskont- oder Lombardsenkungen tun. Die Senkung der Leitzinsen könnte allzu leicht als Umkehr in der Stabilitätspolitik mißverstanden werden. Ein solcher falscher Eindruck würde alles wieder zunichte machen, was bis jetzt durch Standhaftigkeit beim Abbau des Leistungsbilanzdefizits und bei der Inflationsbekämpfung erreicht wurde.

Die Bundesbank wird aber zulassen, daß die Marktzinsen langsam auf ein niedrigeres Niveau sinken. Zum erstenmal seit drei Jahren haben wir eine reale Chance der Zinssenkung. Die Entwicklung der Renditen auf dem Kapitalmarkt zeigt schon, daß wir den Zinsgipfel hinter uns haben. Noch ist der Sieg nicht errungen, aber er ist in Sicht.