Von Karl-Heinz Wocker

Wäre doch Harold Wilsons Frau Mary nur Gewerkschafterin statt Lyrikerin gewesen oder hätte doch wenigstens Edward Heath einen Bruder gehabt, der als Lordrichter Gesetze zu interpretieren hätte. So aber muß der arme Denis Thatcher die Maßstäbe setzen (oder umstoßen), die man nun einmal an das Benehmen der „Verwandtschaft des Chefs“ legen darf. Vetternwirtschaft war schon immer ein beklagte; Übel der Demokratie, die sich gerade durch dessen Bekämpfung von autoritären Regimen zu unterscheiden sucht. Caligula machte bekanntlich sein Pferd zum Konsul.

Nun, so schlimm treibt es der Ehemann in Downing Street nicht. Überblickt man die erste Halbzeit der Legislaturperiode seiner Frau, so hat er sich sogar meistens wacker gehalten, nämlich ein Paar an Schritte schräg hinter ihr, wo nicht ganz im Hintergrund. Diesen Teil seiner Existenz wird niemand für beneidenswert halten. Im übrigen hatte er viel Pech.

Sein Familien-Chemiebetrieb großväterlicher seoits geriet ins Zwielicht, als das Unkrautvernichtungsmittel 245-T – in anderer Zusammensetzung – Mitursache der Krebserkrankung von Soldaten zu sein schien, die es zur Entlaubung vietnamesischer Urwälder benutzt hatten, Als auf einer Müllhalde in Leicestershire die Labor? akten zahlreicher prominenter Patienten auftauchten, waren auch die von Denis Thatcher darunter.

Neben Pech gab es ein paar Mißgriffe: als er sich zum südafrikanischen Sport im Vorfeld der Olympischen Spiele äußerte („Wir dürfen doch wohl Sport treiben mit wem zum Teufel wir wollen“), oder als er sich öffentlich in eine Kontroverse über Rugby-Schiedsrichter einmischte. Ansonsten schweigt er. Keine Londoner Zeitung kann sich rühmen, ihn je zu einem Interview bewogen zu haben, ausgenommen die Financial Times‚ und da ging es um die Ausstattung von Schlafwagen, nicht eben ein Minenfeld. Oder?

Ein der Firmen, in der „DT“ seine Mitarbeit nicht eingestellt hat, als Maggie aufstieg, fertigt eben solche Ausstattungen an, und der„First Man“ in Downing Street (Sunday Telegraph) verhehlte das auch nicht. Er macht Geschäfte mit gutem Gewissen, und bei seinem mutmaßlich siebeteiligen Polster – das durch die von seiner Frau diktierte Politik der Hochzinsen derzeit rapide anwachsen muß – schläft er auch auf sanftem Ruhekissen, Der „arme Denis Thatcher“ ist ein reicher Herr, und eben deshalb kommt er wohl gar nicht auf die Ideen, die anderen einfallen, wenn sie lesen, Frau Thatcher? Mann habe zugunsten einer Baufirma beim zuständigen Minister interveniert und der habe denn auch zugunsten der Firma entschieden. Droht die Ehemannswirtschaft die Vetternwirtschaft in den Schatten zu stellen?

Zunächst der Kasus im Detail. Als Berater ist Denis Thatcher seit langem unter anderem für einen Konzern namens International Design Costruction“ tätig, ein Unternehmen, das Geld im Baugewerbe anlegt. Ein Tochterbetrieb na“ man „Housing Development and Construction Ltd.“ hatte in Nordwales Land gekauft und wollte dort 63 Häuser und ein Motel errichten. Die örtlichen Behörden verweigerten die Genehmigung aus Gründen des Landschaftsschutzes; die Firma legte Berufung ein. Die Entscheidung zog sich über zehn Monate hin. Im Dezember 1980 entschloß sich Denis Thatcher, einen Brief an den Minister für Wales zu schreiben. Der Brief ging später in dessen Amt in Cardiff verloren, aber erst nachdem Minister Nicholas Edwards eine beschleunigte Abwicklung angeordnet hatte, die dazu führte, daß die Genehmigung schließlich erteilt wurde.