Von Irmgard Bayer

Für den Staat sind das im schlimmsten Fall Kosten der Friedenssicherung“, meint Hannes Androsch, ehemaliger Finanzminister und seit kurzem prominentester Bankmanager Österreichs. Der neue Chef der Creditanstalt-Bankverein glaubt aber nicht, daß Österreich oder andere westliche Staaten eines Tages ihr an die sozialistischen Länder verliehenes Geld abschreiben müssen. Selbst Von Polen nimmt er das nicht an. Androsch: „Es ist schwer vorstellbar, daß ein Staat nicht wieder zu sich selbst findet.“

Nicht nur viele Österreicher fragen sich allerdings, was den Staat, Banken und Großunternehmen bewogen hat, in den vergangenen Jahren mit Ostkrediten so großzügig zu sein. Gemessen an ihrer Größe und Wirtschaftskraft gehören die Bundesrepubliken Österreich und Deutschland zu den wichtigsten Kreditgebern. Hannes Androsch erklärt das so: „Wirtschaftsgeographisch sind wir für die Staatshandelsländer der natürliche Handelspartner in Mitteleuropa.“

Mit umgerechnet etwa zehn Milliarden Mark – Bankkredite und Schulden bei Unternehmen zusammengenommen – stehen die Ostblockländer in Österreich in der Kreide, allen voran Polen. Die DDR steht auf Platz zwei, Rumänien, für viele westliche Kreditgeber das jüngste Sorgenkind, steht für Österreich relativ bedeutungslos auf Platz sechs unter den Oststaaten.

Der Osthandel nahm in Österreich in den siebziger Jahren rapide zu. Einer der wichtigsten Gründe laut Androsch: „Im Zuge der schweren Rezession bestand ein Interesse daran, liefern zu können. Das war der Hauptgrund für unser großes Polen-Engagement.“ Ein weiterer war, daß man sich nach der Ölpreiskrise große Hoffnungen machte, von den Polen in Anerkennung der umfangreichen Kreditgewährung, bei Kohle- und Stromlieferungen bevorzugt zu werden. In Österreich wurde dabei ebenso wie in anderen Ländern des Westens übersehen, daß nicht nur die eigene Wirtschaft durch den Energieschock schwer getroffen war. Auch die Polen und andere Länder des Ostblocks litten unter der höheren Energierechnung, die ihnen nicht von der Opec, sondern den Russen präsentiert wurde. Androsch: „Nur die Sowjetunion ist Nettoexporteur von Energie. Die anderen RGW-Länder wurden durch den Energieschock noch stärker getroffen, als der Westen. Unser Polen-Engagement hat seit damals sprunghaft zugenommen.“