Von Klaus-Peter Schmid

Wenn in einem Unterhaltungsfilm ein Franzose um eine Amerikanerin buhlt, dann ist in der Regel der Franzose verführerisch und die Amerikanerin reich. Wenn sich Ähnliches in der Wirtschaft abspielt, dann ist das Happy-End leichter, wenn beide Teile gut bei Kasse sind – doch ohne Verführungskünste kommt der Franzose auch hier kaum zum Ziel.

Als Ende Juli das französische Staatsunternehmen Elf-Aquitaine meldete, es habe über die Hälfte des Kapitals der Texasgulf Inc. erworben, da wurde aus gutem Grund auf die stabilen Finanzen und auf die Ausdauer des Heiratskandidaten von der Seine hingewiesen. Denn der französische Mineralölkonzern, mit 77 Milliarden Francs Umsatz (1980) eines der dominierenden Unternehmen im Lande, ließ sich sein Engagement in den USA dreizehn Milliarden Francs kosten und kam erst nach wiederholtem Anlauf zum Ziel.

Das Erstaunlichste an diesem Happy-End war allerdings der Zeitpunkt. Denn bis dahin hatte der (gaullistische) Industrieminister der Elf-Gruppe stets untersagt, sich bei einem amerikanischen Partner einzukaufen, weil das nicht Aufgabe eines überwiegend staatlichen Unternehmens sein könne. Und ausgerechnet die neue sozialistische Regierung stellte solche Einwände zurück.

Dahinter schien die (eigentlich selbstverständliche) Erkenntnis zu stecken, daß Exporte ohne begleitende Investitionen im Ausland bald an Grenzen stoßen. Die Unternehmer horchten auf; denn bislang hatte gerade die politische Linke gefordert, angesichts der hohen Arbeitslosigkeit müsse im eigenen Land und nicht jenseits der Grenzen investiert werden.

Schlag auf Schlag wagten auch andere französische Unternehmen mit dem Segen des Wirtschaftsministers den Sprung über den Atlantik: der Zementhersteller Ciments Lafarge, der Nahrungsmittelkonzern BSN und der Chemieriese Rhône-Poulenc. Offensichtlich, so glaubten die Optimisten, gehorchte Wirtschaftspolitik unter sozialistischen Vorzeichen doch mehr der Vernunft als der Ideologie.

Doch jetzt kam die kalte Dusche. Die sonst eher verschwiegenen Bosse der Thomson-Gruppe (im vergangenen Jahr 36,5 Milliarden Francs Gruppenumsatz), führend im Elektro- und Elektronikgeschäft, alarmierten die Presse (ZEIT Nr. 39), weil die Regierung zwei internationale Kooperationsprojekte blockierte.