Der neue Verlagschef nimmt es eher gelassen. „Geo USA“, sagt Gerd Schulte-Hillen, seit Mitte dieses Jahres Vorstandsvorsitzender des Hamburger Zeitschriftenverlages Gruner + Jahr, „ist sicherlich keine Erfolgsstory, aber man kann nicht immer Erfolg haben.“ Seine Gelassenheit ist allerdings nicht verwunderlich, hat er doch dem ehrgeizigen, aber glücklosen Anflug des Edel-Magazins Geo auf den US-Markt zu einem glimpflichen Ende verholfen.

Ab sofort erscheint das „Earth Diary“, wie Geo USA im Untertitel heißt, bei Knapp Communications Corp. in Los Angeles, einem Verlag, der sich mit den Nobel-Blättern Architectural Digest (Auflage: 558 000) und Bon appétit (Auflage: 1,3 Millionen) in den USA Namen und Ansehen erworben hat. Der bittere Geschmack eines Flops konnte vermieden werden: Geo bleibt am Markt.

Aber teuer wurde der Ausflug für die Hamburger dennoch. 30 bis 35 Millionen Dollar hat die Reise über den Atlantik gekostet. Und gebracht hat der Rückzug nun auch nichts, denn der „Verkaufspreis“, der zwar, so Schulte-Hillen, laut Vertragsvereinbarung nicht bekanntgegeben werden soll, liegt, wie Insider wissen wollen, bei der schönen Summe von null Dollar.

Daß der Hamburger Verlagsmanager dennoch mit dem Ende der Affäre zufrieden sein kann, liegt an dem Inhalt eines weiteren Vertrags, der gleichzeitig mit dem Übernahmevertrag von Geo mit Knapp ausgehandelt wurde. Die Gruner + Jahr-Druckerei in den USA, Brown Printing, wird auch weiterhin Geo drucken, und zugleich verlängert die Knapp Communications Corp. ihren Druckauftrag für Bon appétit, das bei Brown hergestellt wird. „Wir haben in Herrn Knapp“, lobt Schulte-Hillen, „menschlich wie geschäftlich einen hervorragenden Gesprächspartner.“

Die nun begonnene Kooperation kann noch fortgesetzt werden. Cleon T. Knapp, Jahrgang 1938 und damit nur wenig älter als sein deutscher Verhandlungspartner Schulte-Hillen, macht einen Teil seines 60-Millionen-Dollar-Jahresumsatzes mit dem Buchgeschäft. Ähnlich wie das G + J-Flaggschiff stern eigene Publikationen als siem-Bücher vermarktet, werden auch Knapp-Geschichten aus Bon appétit und Architectural Digest in Buchform an den Mann gebracht. Auf der Frankfurter Buchmesse startet nun Geo mit eigenen Büchern (Titel: Die Wüste, Die Sonne, Tibet). Ähnliches plant auch Mr. Knapp für sein Geo, für beide Verlage also die günstige Gelegenheit, gemeinsame Projekte ins Auge zu fassen.

Unter Branchenkennern diesseits und jenseits des Atlantik ist das G+J-Projekt, mit dem in Deutschland so erfolgreichen Geo auf den für Europäer schwierigen US-Markt zu gehen, von Anfang an mit Skepsis beobachtet worden. Wichtigster Grund: das auflagenstarke (elf Millionen verkaufte Exemplare), renommierte, traditionsreiche und zudem noch billigere National Geographie.