Londons Theater, die zu den Touristenattraktionen in der britischen Hauptstadt gehören, bleiben sonntags geschlossen. Ein Plan, wie in New York Sonntagsmatineen anzubieten, scheiterte an Englands Gewerkschaften.

Sonntags nie...“ lautete die naheliegende Schlagzeile, als die Vereinigung der britischen Theatergewerkschaften kürzlich alle Wünsche nach Sonntagsvorstellungen in den Theatern des Londoner Westends abschmetterte. Die Theaterchefs aus dem Westend hatten vorgeschlagen, statt der üblichen, kaum besuchten Montagsvorstellungen sonntags zu spielen. Die Bezahlung von Schauspielern und Bühnenpersonal sollte unverändert bleiben. Während einige Schauspielerorganisationen damit einverstanden waren, lehnten die Vertretungen des technischen Personals und der Musiker diese Regelung als „unakzeptabel“ ab. Sie forderten trotz des freien Montags noch einen Sonntagszuschlag.

Die Theaterleiter sagen, sie könnten sich derzeit einen solchen Zuschlag nicht leisten und verweisen auf die steigenden Kosten bei zugleich sinkenden Zuschauerzahlen. In London spricht man bereits seit einiger Zeit von einer Krise der Westend-Theater, die Abendzeitung Standard zitiert einen Produzenten, demzufolge nur noch jede vierte Produktion Gewinn abwirft.

Die Blicke der Bühnenmanager gehen voller Neid in die andere große Theatermetropole der Welt, nach New York. Dort ist es den Kollegen gelungen, Sonntagsmatineen ohne Extrabezahlung durchzusetzen. Der Versuch ist erfolgreich, die Theater am Broadway sind sonntags ausverkauft. Auch bei New York-Touristen hat das Sonntagsangebot ein gutes Echo gefunden. London, ein beliebtes Ziel für Wochenendtouren, sollte seinen Besuchern dieses Angebot ebenfalls machen, heißt es deshalb in Theaterkreisen an der Themse. Einzelne Schauspieler sparen auch nicht mit Kritik an der Federation of Trade Unions. Angela Thorne, die in „Anyone for Denis?“ (Whitehall Theatre) die Rolle von Margaret Thatcher spielt, folgt auch privat dem Sparkurs der Premierministerin: Sie ist bereit, ohne Zuschlag auch sonntags ihr Land bühnenwirksam zu regieren. K. V.