Der Traum vom „Österreich am Meer“ entschwand, wie die Autor Niel schmerzlich empfindet, mit dem Ende des 1. Weltkrieges. Eine Reihe schöner österreichischer Kur- und Badeorte an der Adria, die emsige Wiener Geschäftsleute im Zeitalter des anbrechenden Tourismus der (k.)aiserlichen (u.)nd. (k.)öniglichen Doppelmonarchie Österreich-Ungarn erschlössen hatten, sollte fortan in glanzlose Durchschnittlichkeit absinken.

Wo heute vergleichsweise bescheiden betuchte Touristen mit Sack und Pack, Auto und Campingausrüstung sommers anreisen, um die heiße Adriasonne zu genießen – zwischen dem italienischen Triest über die jugoslawische Halbinsel Istrien bis Rijeka (vormals Fiume) und den gegenüberliegenden Inseln des Quarnero (Kvarner Golf) –, tummelte sich um die Jahrhundertwende eine illustre Gesellschaft aus aller Herren Länder des Vielvölkerstaates.

Monarchen und Thronfolger, Bankiers und Kaufleute, Offiziere und was sonst noch Rang und Namen hatte, sie alle kamen, um im milden Klima Raucherkatarrh und Blasenbeschwerden oder andere Wehwehchen auszukurieren. Man ließ sich von Dichtern und Musikern unterhalten und sorgte mitunter höchstselbigst durch allerlei delikate Affären für Gesprächsstoff – eine „Chronique scandaleuse“, wie ein Zeitgenosse bissig bemerkte.

Ein buntes Stück österreichischer Kulturgeschichte wird da aufgeblättert –

„Die k. u. k. Riviera“

Styria-Verlag, Graz/Wien/Köln 120 Seiten, 34 Mark,

illustriert von Photographien, Zeitungsanzeigen, Werbeplakaten und Postkarten und vom Autor Alfred Niel rührend gefühlvoll kommentiert.