Selten haben deutsche Verbraucher so hautnah erlebt, wie eng das wirtschaftliche Schicksal der Bundesrepublik mit weltwirtschaftlichen Entwicklungen oder den politischen Ereignissen in wichtigen Nachbarländern verknüpft ist. Doch jetzt wird der Autofahrer schon seit Monaten damit konfrontiert.

Der Kurs des Dollar hüpft an den Devisenbörsen auf und ab – je nachdem wie die Wirtschaftspolitik Reagans eingeschätzt wird, wie der Zins sich in den USA bewegt oder ob in Polen wieder einmal eine Krise drohte (siehe auch Seite 19). Und wenn der Dollar verrückt spielt, dann ist auch an den Zapfsäulen etwas los. Dann zeigt sich plötzlich, wie eng der Dollarkurs und der Benzinpreis miteinander verbunden sind.

Das war auch früher der Fall, nur nicht so offenkundig. Die drastischen Rohölpreiserhöhungen wurden in den siebziger Jahren für deutsche Verbraucher nämlich dadurch stark gemildert, daß gleichzeitig der Dollarkurs sank. Diesmal fand das wilde Auf und Ab des Dollar an den Devisenbörsen dagegen in einer Zeit statt, in der die Rohölpreise relativ stabil waren. Da die gesamte Ölrechnung der Bundesrepublik in Dollar beglichen werden muß, schlägt jede Verteuerung oder Verbilligung der amerikanischen Währung sofort auf die Importkosten durch. Nach einer Welle von Preiserhöhungen müssen die Mineralölkonzerne deshalb jetzt die Preise wieder zurücknehmen.

Dafür gibt es einen politischen und einen wirtschaftlichen Grund. Nachdem der Dollarkurs in den ersten acht Monaten dieses Jahres als bequeme und einleuchtende Begründung bei jeder Erhöhung der Benzinpreise herhalten mußte, war jetzt bei den zum Teil drastischen Kursrückgängen an den Devisenbörsen eine Senkung der Tankstellenpreise unvermeidlich, selbst wenn dadurch ein Abbau der in den ersten Monaten des Jahres entstandenen Verluste noch weiter hinausgezögert wurde. Hinzu kommt aber, daß die Freien Tankstellen zur Zeit nicht nur in Rotterdam billige Überschußmengen an Benzin, Diesel und Heizöl aufkaufen können, sondern ebenfalls vom sinkenden Dollarkurs profitieren. Da die Freien bereits jetzt ein Fünftel des Tankstellengeschäfts an sich gezogen haben, bleibt den großen Konzernen gar nichts anderes übrig, als klein beizugeben.

Auch wenn es so manchem gar nicht ins ideologische Konzept passen will – die manchmal so unbequemen Marktmechanismen führen am Ende doch immer noch zu den sinnvollsten Ergebnissen. Zwar hat das Opec-Kartell zunächst die Preise in die Höhe treiben können – aber dann hat die dadurch ausgelöste zusätzliche Suche nach neuen Ölquellen und eine früher nicht für möglich gehaltene Verbrauchseinschränkung zu einem derartigen Ölüberschuß geführt, daß die Förderländer heute Mühe haben, ihr Öl loszuwerden. Zudem mußten sie – wenn auch zähneknirschend und aus Prestigegründen oft versteckt – allzu hoch geschraubte Preise inzwischen wieder zurücknehmen – oder drastische Fördereinschränkungen hinnehmen. In ähnlicher Form zwingt der Wettbewerb jetzt auch die Mineralölkonzerne zu Preissenkungen.

Ohne die Mithilfe des weitsichtigen saudischen Ölministers wäre dies alles freilich nicht so deutlich ausgefallen. Doch Jamani, der als wohl einziger unter den Politikern der Ölstaaten die verheerenden Folgen einer allzu rücksichtslosen Preispolitik für die Weltwirtschaft erkennt, müht sich nach Kräften, die Falken in der Opec zur Raison zu bringen.

Verheerend wäre allerdings, wenn die Verbraucher die leichte Preissenkung mißverstehen und die Bemühungen um weitere Energieeinsparung aufgeben würden. Denn dann sind die Überschüsse bald verschwunden, die ölanbieter wieder Herren des Marktes und wir erneut ihrem Preis- und Mengendiktat ausgeliefert. Michael Jungblut