Am meisten gefragt: alte Tee- und Kaffeekannen

Von Gabriele Engert

Trödeln macht Spaß. Der Trödler – oder korrekt ausgedrückt: der Gebrauchtwarenhändler – ist heutzutage meist jung und hat, da weder Not noch Elend ihn zum Trödler machten, mit seinem Kollegen von einst außer der Ware kaum noch etwas gemein. Seit das Sammeln von altem Kram zum nostalgischen Hobby geworden ist, fühlt er sich gesellschaftlich aufgewertet, und er gefällt sich in der Rolle des freischaffenden Lebenskünstlers.

Kaum einer will sein Leben als Gebrauchtwarenhändler beschließen. Entweder man trägt den Marschallstab zum Antiquitätenhändler im Tornister oder man betrachtet das Ganze von vornherein nur als Übergangslösung. Das Geschäft floriert immer noch, allen Unkenrufen zum Trotz. Die Nostalgiewelle rollt ungebrochen. Des Trödlers Kundschaft sind all jene, die in den Möbeln der neuen Wohnkultur groß und ihrer müde geworden sind. Für so manchen Individualisten ist ein alter Tisch mit gedrechselten Beinen, auch wenn es nicht der edelste ist, eine Erlösung aus der Monotonie. Er darf auch ruhig angeschlagen sein, im Zeichen des „do it yourself“ ist das kein Problem.

Trödeln macht frei von Zwängen, man ist sein eigener Herr. Wichtiger Aspekt für jene, die für den Alltagstrott eine Alternative suchen. Verständlich, daß die Branche zum Auffangbecken für Aussteiger und Umsteiger wurde. Es tummeln sich auf diesem Feld Jungakademiker ohne Berufschancen, Studenten, Angestellte, Beamte, Hausfrauen und Ausgeflippte.

Mancher ist reich geworden

Die Herkunft des Wortes „trödeln“ ist, laut Brockhaus, dunkel; vermutlich stammt es aus dem späten Mittelalter. Ausgelegt wird es in zwei Bedeutungen: „Handeln mit altem Kram“ und „bummeln“. Daß das eine ursächlich mit dem anderen zu tun hat, liegt auf der Hand, und es scheint, daß die letztere Version erheblich zur Beliebtheit dieses Gewerbes beigetragen hat. Wer trödelt, hat mehr vom Leben.