ZEIT: Die RAF hatte letztes Jahr angekündigt, den „Kampf gegen den US-Imperialismus und die Nato, gegen ihre aggressiven außen- und innenpolitischen Ziele zu organisieren“. Ist dies der neue Schwerpunkt der terroristischen Aktionen?

Baum: Aus der Auswertung von Unterlagen in ermittelten konspirativen Wohnungen – bestätigt durch Bekennerbriefe – wissen wir seit längerem, daß dies tatsächlich das Ziel der RAF ist. Die Sicherheitsbehörden sind durch die Zielrichtung der letzten Anschläge daher nicht überrascht worden. Die im September vorigen Jahres in einer konspirativen Wohnung in Heidelberg aufgefundenen Unterlagen enthalten bereits verschlüsselte Anweisungen bis hin zu Anschlägen auch auf politische Repräsentanten.

ZEIT: Sind Bonn und das BKA nicht davon überrascht worden, daß sich die RAF trotz der Fahndungserfolge neu formieren konnte?

Baum: Nein, wenn auch die Dimension des Anschlags auf General Kroesen Anlaß zur Sorge ist. Wir haben stets davor gewarnt, aus dem Ausbleiben spektakulärer Aktionen auf eine mangelnde Aktionsfähigkeit und Aktionsbereitschaft zu schließen. Die in den letzten Jahren erreichten Fahndungserfolge haben ohne Zweifel die RAF in ihrer Aktionsfähigkeit gestört. Die Sicherheitsbehörden und auch die verantwortlichen Minister in Bund und Ländern haben aber wiederholt erklärt, daß die RAF noch immer über die Kraft und Entschlossenheit verfügt, neue Anschläge zu. verüben. Mit den Anstrengungen zur Bekämpfung der Terroristen ist deshalb zu keiner Zeit nachgelassen worden. Das gilt auch für die Schutzmaßnahmen sie haben im Falle des Anschlags auf General Kroesen Schlimmeres verhütet.

ZEIT: Glauben Sie, daß die RAF mit diesen Aktionen neue Unterstützung erhält?

Baum: Nein, jedenfalls nicht, wenn wir kühlen Kopf behalten. Sogar innerhalb der sogenannten „Szene“ gibt es Kritik an der „elitären Arroganz“ der RAF-Putschisten. Nur dann, wenn wir selber etwas aufgeben von der freiheitlichen Substanz unserer Republik, kann der sinnlose Fatalismus der RAF-Mitglieder und ihrer Helfer Sinn erhalten; und dann könnte das terroristische Kalkül doch noch aufgehen. Auch wenn es nicht beim versuchten Mord bleiben sollte, müssen wir gelassen bleiben, wenn wir nicht selbst den Terroristen in die Hand spielen wollen. Daß im Bereich der Fahndung alles unternommen wird, was getan werden kann, versteht sich von selbst.

ZEIT: Gefährdet die RAF den politischen Wert der Bundesrepublik Deutschland nach außen mit ihren Aktionen gegen die Amerikaner?