Frankfurt a. Main

Auf dem Flohmarkt am Mainufer, wo sich jeden Samstag halb Frankfurt an den Ständen vorbeischiebt, verkaufen wir unser. Frankfurter Frauenblatt. Ein etwa achtjähriger Knabe baut sich vor Gitti und Gisela auf: „Na, wohl auch ’ne Emanze“, mutmaßt er. Unter seinem dunklen Haarschopf sitzt es schon ganz fest, daß eine Emanze etwas ganz Blödes sein muß. Wohlwollend geben sich dagegen ältere Nachwuchspatriarchen, wenn sie uns aufmunternd zurufen: „Ihr seid doch noch jung, ihr kriegt sicher noch einen Mann.“ Auch die Frauen haben eine Meinung über das Frauenblatt. Ein Teenager sagt herablassend: „Das habe ich noch nicht nötig.“ Eine berufstätige Frau: „Wir haben doch alles. Ich brauche das jedenfalls nicht.“ Und eine alte Dame winkt im Vorbeigehen ab: „Ach Kinder, das habe ich doch längst nicht mehr nötig.“

Solche Reaktionen erleben wir täglich. Das müssen wir schlucken. Doch wenn sich wieder einmal eine Nummer schlecht verkauft hat, fragen auch wir uns: Wer hat denn das Frauenblatt überhaupt nötig?

Das Frankfurter Frauenblatt ist eine Stadtzeitung, die von Frauen für Frauen gemacht wird, für Frauen, die sich nicht als brave Konsumentinnen der Damenoberbekleidungs-, Kosmetik- und Waschmittelindustrie verstehen. Seit drei Jahren erscheint das Blatt monatlich in einer Auflage von 1500 Stück. Mit 2,50 Mark (die die Kosten knapp decken) ist es zwar ebenso teuer, liest sich aber längst nicht so flüssig wie traditionelle Frauenillustrierte. Wir berichten nicht über Mode, geben keine Schminktips, haben auch keine Seite zum Mitweinen, sondern schreiben über Frauenhäuser und die Situation ausländischer Arbeiterinnen, über Neues aus der Frauenbewegung und ihre politische Arbeit.

Wir informieren im Frauenblatt auch über Veranstaltungen und stellen Verbindungen zwischen Frauengruppen und -zentren her. Sie haben bei uns die Möglichkeit, ihre Arbeit, ihre Pläne und Ideen vorzustellen. Damit soll wieder anderen Frauen Mut gemacht werden, über eigene Gedanken und Erfahrungen zu berichten, auch wenn dies noch zögernd und oft unbeholfen geschieht.

Noch aber rinnt der Strom weiblicher Kreativität und politischer Stellungnahmen recht dünn zu uns herein. Wir hatten es uns ganz anders vorgestellt, hatten mit einer Flut von Artikeln, Photos, Gedichten gerechnet, die wir nur noch ins Blatt rücken müßten. Inzwischen machen wir das meiste selber oder versuchen, anderen schreibenden und photographierenden Frauen ihre Produkte abzujagen. „Frauenblatt? Nein danke!“ tönt es uns da nicht selten entgegen. Frauen, besonders die qualifizierteren unter ihnen, geben ihre Arbeiten eben auch lieber an eine Zeitung mit höherer Auflage odergrößerem Renommee, an Emma oder Courage oder den Frankfurter Pflasterstrand. Das Frauenblatt ist ja auch nur ein „Nebenprodukt“, ein vaterloses Gemeinschaftskind von derzeit zehn Frauen. Seine Pflege neben der Pflege von Beruf, Studium, Ehe/Freundschaft und Kindern ist manchmal mühsam. Und es ist eine Arbeit, die wie Haushaltsarbeit unbezahlt geleistet werden muß. Dort notgedrungen, hier freiwillig.

Das letzte Wochenende jedes Monats ist Start und Ziel unserer Zeitungsarbeit, Drohung und Verheißung. Dann gilt es, System in das Chaos der Termine, Artikel, Photos und Anzeigen zu bringen, die wir gesammelt und besprochen haben. Alles muß sauber getippt, korrigiert, mit schmückenden Überschriften versehen und möglichst gerade zusammengeklebt werden. Damit es – gedruckt – ein Prachtkind wird.