Im Katalog zu der Ausstellung, die seine Zeichnungen jetzt in Düsseldorf, Wiesbaden und Bonn zeigte, beschreibt sich Henrik Tikkanen so: „Geboren bin ich am 9. 9. 1924 in Helsinki, im Villenvorort Brändö. 1943 Abitur an einer finnischsprachigen Schule. Drei Jahre im Krieg an der Front – als freiwilliger Idiot. Eigentlich bin ich Zeichner, aber durch das Spiel des Zufalls wurde ich auch Grafiker, Alkoholiker, Landplage, Schriftsteller.“

Er ist, das fehlt in dieser Aufstellung, der bekannteste lebende Schriftsteller und Zeichner Finnlands. Rund 30 Bücher von ihm wurden veröffentlicht. Der Autor, im Schwedischen wie im Finnischen gleichermaßen zu Hause, wurde in alle nordischen Sprachen, ins Englische, Französische und Russische, nicht aber ins Deutsche übersetzt.

Tikkanen, ein enger Freund des finnischen Präsidenten Kekkonen, verärgert sich hin und wieder seine Landsleute, weil er finnische Verhältnisse nicht nur mit dem Florett der Ironie, sondern auch mit der Axt des Spottes nachzeichnet. Seine für DIE ZEIT geschriebene Helsinki-Impression legt für beides Zeugnis ab, gleiches gilt für die Artikel und Zeichnungen, die er regelmäßig in Finnlands größter Zeitung, dem Helsingin Sanomat, veröffentlicht. Tikkanen ist künstlerischer Direktor dieses Blattes und der dazugehörigen Mediengruppe. Die hier veröffentlichten Zeichnungen dienten als Illustrationen zu einem Helsinki-Buch, das Tikkanen 1972 schrieb. Der Maler Tikkanen benutzt heute einen anderen Stil: harte und knappe Tuschelinien, die Gesichter bilden und Szenen zeigen von seinem derzeitigen Hauptthema, dem Tod und der Liebe.

Übersetzung des Tikkanen-Textes „Ein ehrliches Parvenü-Gesicht“ aus dem Schwedischen von Susanne Seul