Wie die Deutsche BP mit Mexiko ins Geschäft kommen will

Von Michael Jungblut

Weil in der Hamburger Konzernzentrale der Zeitunterschied nicht ausreichend berücksichtigt worden war, klingelte im vierzigsten Stockwerk des Hotels El Presidente Capultepec in Mexico-City bereits kurz nach fünf Uhr morgens das Telephon: Der von einem vierzehnstündigen Flug noch etwas gestreßte BP-Chef Hellmuth Buddenberg erfuhr, daß der Dollar nach einem wochenlangen Kursanstieg plötzlich ins Trudeln geraten war. Wenig später beim Frühstück berichtet er einer kleinen Gruppe von Mitarbeitern, daß er spontan entschieden habe, sofort mit einer Senkung der Tankstellenpreise um zwei Pfennig zu reagieren: "Das sind wir unserer Glaubwürdigkeit schuldig."

Natürlich war im Vorstand bereits lange zuvor darüber debattiert worden, welche Strategie die größte in der Bundesrepublik tätige Mineralölgesellschaft verfolgen sollte, falls der Dollar wieder kippt. Dennoch entspricht diese vom Bett aus getroffene Entscheidung, mit der die BP die übrigen Konzerne zum sofortigen Nachziehen zwang, kaum den landläufigen Vorstellungen von geheimen Preisabsprachen zwischen den großen Ölgesellschaften. Die übrigen Wettbewerber wurden von der schnellen Reaktion der BP ebenso überrascht wie die Mitglieder der kleinen Delegation, die Buddenberg bei seinem Blitzbesuch in Mexiko begleiteten.

"Wir sind trotz des derzeitigen Überangebots an Rohöl jetzt hierher gekommen, weil wir aus politischen und strategischen Gründen eine breitere Versorgungsbasis anstreben und deshalb an einem Vertrag mit Ihrem Land interessiert sind", erklärte Buddenberg wenige Stunden später dem mexikanischen Staatspräsidenten López Portillo den Zweck der Reise. "Aber wir wollen nicht nur Öl zu wettbewerbsgerechten Preisen. Wir bieten auch eine wirtschaftliche und technische Kooperation bei einer Reihe von Projekten an, die für Ihr Land wichtig sein könnten."

Der nahezu allmächtige Präsident des inzwischen zum viertgrößten Ölproduzenten der Welt aufgestiegenen Staates scheint an einer derartigen Form der Zusammenarbeit ebenfalls interessiert. Nach Toni Schmücker, dessen VW-Tochter zu den wichtigsten ausländischen Arbeitgebern in Mexiko gehört, ist Hellmuth Buddenberg erst der zweite deutsche Spitzenmanager, der von Portillo empfangen wird. Die BP-Delegation ist zugleich die letzte, der an diesem Tag eine Audienz in der Residenz des Staatspräsidenten gewährt wird. Denn kaum hat López Portillo erklärt, daß er seinen Ministern Anweisung geben wird, Details der von Buddenberg skizzierten Kooperationsmöglichkeiten zu prüfen, eilt er mit großen Schritten durch ein bis zur Decke mit historischen Waffen ausstaffiertes Vorzimmer, springt in den Fahrersitz eines mit laufendem Motor wartenden silbergrauen Golf und jagt mit quietschenden Reifen auf einen Hubschrauber zu, der im Park der Residenz gelandet ist. Der nächste Punkt auf dem Terminplan Portillos ist ein Treffen mit seinem nordamerikanischen Amtskollegen Ronald Reagan. Der Abflug des für seine Pünktlichkeit bekannten Präsidenten hat sich durch das Gespräch mit der deutschen Gruppe um einige Minuten verzögert.

In den Instituten, Ministerien oder Staatsunternehmen Mexikos hat diese Eigenschaft des für jeweils sechs Jahre mit fast diktatorischer Machtfülle regierenden Präsidenten offenbar keine allzu tiefen Spuren hinterlassen. Oft kann der an eine minuziöse Terminplanung gewöhnte deutsche Ölmanager seine Ungeduld kaum zügeln, wenn wieder einmal ein Termin verschoben oder ohne erkennbaren Grund die Reihenfolge der Gesprächspartner vertauscht wird.