Es sollte ein "blauer Montag" werden an der New Yorker Börse, der 28. September, vergleichbar vielleicht mit dem "Schwarzen Freitag" im September 1929, der eigentlich ein Donnerstag war. So jedenfalls hatte es Joseph Granville prophezeit, dem viele Aktionäre blindlings vertrauen, so wie einst die Sannyasin dem Bhagwan von Poona. Granville wird deshalb auch der Börsen-Guru von Amerika genannt, mit einer Anhängerschaft an vielen Börsenplätzen der Welt.

Doch dann kam es ganz anders: Der Dow-Jones-Index, mit dem traditioneller Weise das Kursniveau an der New Yorker Börse gemessen wird, stieg um 18,55 Punkte auf 842,56. Am Freitag letzter Woche schien sich Granvilles Voraussage noch zu bestätigen; der Index fiel um 11,13 Punkte.

Auch der – Montag ließ das Schlimmste befürchten. In der ersten Börsenstunde rutschte der Index zunächst um weitere 15 Punkte, ehe sich beherzte Käufer fanden und die Kurse nach oben gingen. Doch damit konnten sie bei weitem nicht die zum Teil dramatischen Wertverluste ausgleichen, die viele Papiere in den letzten Wochen in New York und an anderen großen Börsen erlitten hatten.

Ob François Mitterrand Frankreichs Wirtschaft mit sozialistischen Rezepturen wieder auf die Beine helfen will, oder ob Ronald Reagan für die USA konservative Behandlungsmethoden anwendet – die Börse spielt weder hier noch da mit. Aber auch über Margaret Thatchers britisches Modell ist das Urteil der Finanzwelt verheerend. Die Börse hat offenbar kein Vertrauen in die wirtschaftspolitischen Künste der Politiker und reagiert auf ihre Weise:

  • In London verlor der von der Wirtschaftszeitung Financial Times errechnete Index am "schwarzen Montag" zwar nur 17,2 Punkte, doch das war nur der vorläufige Endpunkt einer längeren Talfahrt der Kurse.
  • In Paris notierte der Index der Börsenmakler 88,2, nachdem er letzte Woche noch auf 93,5 stand. Doch Frankreichs Börse hatte nach der Wahl Mitterrands schon ihren "roten Montag". (Die Indexpunkte sind unterschiedlich und nicht vergleichbar, da sie an jeder Börse anders berechnet werden; sie geben jedoch den Trend der Kursentwicklung an.)
  • An den deutschen Aktienmärkten lagen die Kurse – gemessen am Commerzbank-Index – unter denen vom Jahresbeginn und um elf Prozent unter dem diesjährigen Höchststand.

Doch damit nicht genug. Auch Mailand und die Börse des Wirtschaftswunderlandes Japan in Tokio melden Busse, also massive Kursverluste.

Wer einfache Erklärungen sucht wie viele Amerikaner, schiebt die Schuld, eben jenem Joe Granville in Florida zu. Nach einigen seiner Interviews stellte ein New Yorker Aktienhändler fest: "Die Leute drehten durch. Sie verkauften solide Aktien zu geradezu lächerlichen Preisen." In der Wall Street spricht man von "Massenhysterie".