Von Hermann Bößenecker

Die Mieter des 70 Jahre alten Jugendstilhauses in der Münchner Emil-Riedel-Straße 8 trauten ihren Augen nicht. Per Post ließ ihnen der Hauseigentümer mitteilen, daß die Miete sich infolge gestiegener Kapitalkosten verteuern würde von 700 Mark für 150 Quadratmeter auf künftig nicht weniger als 2900 Mark.

Daß dies wohl so, wie es da stand, nicht gemeint sein konnte, offenbarte der Verfasser des bösen Briefes freilich im gleichen Schreiben. Rechtsanwalt Olaf J. Jansen, aktiv auf Geheiß des Eigentümers, machte kein Hehl daraus, worum es bei dieser weit überzogenen Mietforderung in Wahrheit ging: "Auf Grund dieser verhältnismäßig hohen Steigerung gehen wir davon aus, daß Sie an einer vergleichsweise allumfassenden Regelung interessiert sind." Das hieß: Die Mieter sollten offensichtlich unter Druck gesetzt werden, ein ihnen im August unterbreitetes "Vorzugsangebot" anzunehmen. Danach konnten sie ihre Wohnung zum Quadratmeterpreis von 2800 Mark bei einem zusätzlichen Nachlaß von 25 000 Mark kaufen.

Als die Süddeutsche Zeitung die Affäre Emil-Riedel-Straße publik machte, ging die Öffentlichkeit auf die Barrikaden. Politiker wurden alarmiert; unverzüglich schaltete sich auch die Staatsanwaltschaft München I ein und ermittelte gegen die Eigentümerin, die Emil-Riedel-Verwaltungs-GmbH, wegen des Verdachtes auf Mietwucher.

Schlaglichtartig wurde offenbar, zu welchem Mißbrauch der Paragraph 5 des Miethöhegesetzes aus dem Jahr 1974 verleitet, der dem Vermieter grundsätzlich gestattet, gestiegene Hypothekenzinsen auf den Mieter abzuwälzen.

Der forsche Anwalt Jansen hat seinem Auftraggeber jedenfalls einen Bärendienst erwiesen. Dem Hauptgesellschafter der Hausverwaltungsfirma, Heiner Ohlwein, blieb gar nichts anderes übrig, als sich "von der Geschichte zu distanzieren" – und von seiner Anwaltskanzlei. Er entzog ihr sofort das Mandat.

Ohlwein, Inhaber eines Münchner Planungsbüros und bei einer ganzen Reihe von Hausprojekten engagiert, zeigte sich selbst "total entsetzt" über das Vorgehen seines Anwalts. Der Advokat habe zwar den Auftrag gehabt, Mieterhöhungsersuchen vorzubereiten, aber diese seien noch "in keiner Weise konkretisiert". Es sei ihm "schleierhaft", wie Anwalt Jansen überhaupt an Zahlen herangekommen sei ("Von unserem Büro sind sie nicht").