Zudem verweist Ude – auch in seinem Brief an die Anwaltskanzlei Jansen – darauf, daß der Paragraph 5 des Miethöhegesetzes auf den Fall Erich-Riedel-Straße 8 überhaupt nicht anwendbar sei, weil er sich nur auf Darlehen beziehe, die spätestens bei Begründung des Mietverhältnisses bestanden haben. Keineswegs solle das Gesetz einen Dritten, der zunächst nicht Vertragspartei eines Mietverhältnisses ist, in die Lage versetzen, sein Zinsrisiko auf die Mieter abzuwälzen.

Mit anderen Worten: Das Gesetz darf nicht Spekulanten begünstigen, die eine Immobilie voll mit Fremdmitteln erwerben und dann höhere Zinsen ungeniert den Mietern anlasten.

Ude ist erfreut darüber, daß der Mietexperte der CSU, der Landtagsabgeordnete Gustav Matschl, genau die gleiche Ansicht wie er vertritt. Matschl schrieb im Münchner Stadtanzeiger, es wäre in der Tat ein "Skandal", wenn "der Eigentümer, der ein vermietetes Wohngebäude mit Fremdmitteln erworben hat, die steigenden Zinsen auf die Mieter abwälzen könnte".

Da sich so die Parteien einig seien, müßte es, so hofft Ude, möglich sein, das mißverständliche Gesetz "schnellstens zu ändern". Auf einschränkende Kommentare könne man sich nicht verlassen. Zumindest müßte an den Paragraphen 5 der Satz angehängt werden, daß er dann nicht zutreffe, wenn ein Dritter ein Darlehen aufnehme, um das Haus zu kaufen. Matschl weist wie Ude darauf hin, daß entsprechend dem Paragraphen 571 BGB durch einen Wechsel im Eigentum die Rechtsstellung des Mieters nicht geschmälert werden könne: "Kauf bricht nicht Miete."

Für viele betroffenen Mieter wäre eine Änderung oder zumindest Präzisierung des Gesetzes ein Segen. Anwalt Ude vertritt allein 17 Mietergemeinschaften in München mit zusammen 360 Mietern. Fast überall, so sieht er es wenigstens, gebe es Spekulationen mit teuren Darlehen, die man nun abwälzen wolle. Mit diesem "Hebel" sollen Mieter zum raschen Auszug veranlaßt und der Weg für kaufkräftige Eigentümer freigemacht werden.

1980 sind in der bayerischen Metropole nach Udes Statistik 265 Häuser mit 3000 Mietparteien in Eigentumswohnungen umgewandelt worden.

In anderen Großstädten mangelt es ebenfalls nicht an solchen Ärgernissen, aber in München gibt es viele davon. Wenn von hier aus nun die Politiker wachgerüttelt werden, dann habe sein Anwaltskollege von der Vermieterpartei, bemerkt Ude augenzwinkernd, der Sache "einen großen Dienst erwiesen".