Der deutschen Industrie fehlt der Ingenieurnachwuchs. Eine Folge der allgemein beklagten Technologiefeindlichkeit?

Manfred Lennings, Vorstandsvorsitzender der Gutehoffnungshütte:

  • Die Wirtschaft beklagt seit Jahren einen drohenden Mangel an Ingenieuren, weil immer weniger Abiturienten ein technisches Studium beginnen. Wie bedenklich ist die Lage?

Lennings: Im Jahre 1960 haben noch 16 Prozent der Studienanfänger ein ingenieur-wissenschaftliches Fach gewählt, während diese Zahl bis 1980 auf rund zwölf zurückgegangen ist. Besonders bedenklich war der rapide Rückgang gerade in den letzten vier Jahren. Wir können davon ausgehen, daß der Prozentsatz von zwölf mit Sicherheit nicht ausreicht, um den in Zukunft noch steigenden Ingenieurbedarf der deutschen Wirtschaft zu decken. In jüngster Zeit waren bereits Situationen entstanden, in denen nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit auf vier offene Ingenieurstellen nur noch ein Angebot kam.

  • Nun gibt es aber wohl jüngste Ergebnisse, die die Lage entschärfen. Angeblich findet das Ingenieurstudium wieder mehr Zulauf. Ist das richtig?

Lennings: Wir haben noch keine genaue Statistik über die jüngste Entwicklung. Auf Grund einer Reihe von Umfragen soll allerdings eine Trendumkehr erfolgt sein. Danach wollen gegenwärtig 22 Prozent der Abiturienten ein ingenieur-wissenschaftliches Studium ergreifen. Es muß abgewartet werden, ob sich tatsächlich ein so gestiegener Prozentsatz in den Immatrikulationsziffern für technische Fächer niederschlagen wird.

  • Was hat denn Ihrer Meinung nach diesen Sinneswandel bewirkt: Ist es ein Rückgang der so oft beklagten Technologiefeindlichkeit oder einfach der Wunsch nach einem sicheren Arbeitsplatz?