In den letzten Tagen sind die Zinsen für Hypotheken-Darlehen zurückgenommen worden. Können die Bauherren jetzt aufatmen? Sollen sie sich Jetzt verschulden, bevor die Tendenz wieder umschlägt?

Bundeswohnungsbauminister Dieter Haack sagt: "Wer bauen will, soll es jetzt tun. Billiger wird das Bauen nicht!" Damit hat er recht, soweit es die Grundstückspreise und die Baukosten angeht. Grund und Boden ist in letzter Zeit nur noch in Sonderfällen teurer geworden. Die Baupreise stagnieren, teilweise sind die Firmen bereit, Preiszugeständnisse zu machen.

Aber wie steht es mit den Zinsen? Hierzu äußert sich Haack zurückhaltend. Und das ist gut so. Denn in den letzten Jahren sind Bau-Wien oftmals das Opfer falscher Zinsprognosen geworden. Sie haben – und das ist verständlich – sehr rasch jenen geglaubt, die immer wieder das Ende der Hochzinspolitik verkündeten und so taten, als hätte allein die Bundesbank es in der Hand, wann und wieweit die Zinsen in der Bundesrepublik gesenkt werden können.

Bei zahlreichen Zinspropheten, war Wunschdenken im Spiel. Das andauernde Gerede von einer raschen Zinswende hat dazu geführt, daß die Bauherren bei der Aufnahme von Hypothekendarlehen auf möglichst kurzen Zinsbindungsfristen bestanden, teilweise sogar nur auf einer Zwischenfinanzierung von ein bis zwei Jahren. Sie hofften, nach Ablauf dieser Fristen einen Neuabschluß zu günstigeren Konditionen machen zu können.

Viele sind dabei vom Regen in die Traufe geraten. Die Hochzinsphase dauert diesmal länger als alle vorangegangenen. Die Erinnerung an die Jahreswende 1977/78, als die Zinsen für Hypothekendarlehen auf das niedrigste Niveau seit den fünfziger Jahren gesunken waren, ist heute nur noch ein schöner Traum. Damals wurden erststellige Hypothekendarlehen zum Nominalzins von 5,5 Prozent bei einem Auszahlungskurs von 99,50 Prozent offeriert. Heute bringen Hypotheken bei gleicher Festschreibungsfrist eine Effektivbelastung von rund zwölf Prozent mit sich.

Rückwirkend gesehen war selbst der Hypothekenzins noch vor einem Jahr "sagenhaft" niedrig. Für eine Festzinshypothek mit einer Laufzeit von fünf Jahren zahlte man vor zwölf Monaten 8,6 Prozent. Weil ihnen das zuviel war, entschlossen sich etliche Bauherren zu einer Zwischenfinanzierung und entschieden sich für ein einjähriges Vorschaltdarlehen, das damals 11,5 Prozent kostete. Als es in diesem Jahr verlängert werden mußte, waren dafür schon 14,5 Prozent zu zahlen.

Wahrscheinlich wäre es im vergangenen Jahr richtiger gewesen, eine Hypothek mit fünfjähriger Zinsbindungsfrist abzuschließen. Denn die Mehrkosten für die Zwischenfinanzierung werden nur noch dann auszugleichen sein, falls der Zins jetzt rasch auf unter sechs Prozent sinkt. "Daran aber werden selbst größte Optimisten kaum glauben können", meint der Verband Deutscher Hypothekenbanken zu diesem Thema.