Waschmittel

Von Gunhild Freese

Die Szenen sind treuen Zuschauern des Werbefernsehens schon vertraut: Die junge Frau betrachtet voller Stolz ihre fertige Wäsche. Da naht die Mutter und entdeckt einen Fleck, der nicht herausgegangen ist. Doch sie weiß auch, das schlechte Gewissen ihrer Tochter zu beruhigen, denn nun gibt es ein neues Waschmittel, das auch diesem Fleck den Garaus macht. Der staunende Zuschauer darf das fleckenfreie Endergebnis mit bewundern.

Ein unsichtbarer Beobachter entdeckt auf dem frischgewaschenen Hemd des Sohnes noch Öl vom Fahrrad. Wieder kann dank eines neuen Waschmittels die besorgte Hausfrau besänftigt werden, und natürlich erscheint auch hier am Ende das nun wirklich saubere Hemd auf dem Bildschirm.

So vertraut dem Betrachter die Bilder auch sein mögen, beide Fernseh-Werbespots sind neu. Und beide sollen für neue Waschmittel werben, die den heftig umkämpften Markt in Bewegung bringen sollen. Ende August führte der deutsche Waschmittelgigant Henkel „das erste flüssige Vollwaschmittel“ Liz ein. Und schon Anfang September folgte der Henkel-Konkurrent Procter & Gamble mit seinem „neuen, flüssigen Vollwaschmittel Vizir“.

Die Vorteile der neuen „dritten Waschmittelgeneration“ (Henkel-Werbung), die die beiden Wettbewerber für ihr Produkt aufzählen, sind austauschbar. Vizir und Liz nämlich tun das, was Waschpulver „einfach nicht schaffen“: Sie beseitigen „schonend hartnäckigste Öl- und Fettverschmutzungen“ vom Lippenstift bis zum Butterfleck (Henkel). „Ab heute“, so tönt es aus dem Radio-Spot von Procter & Gamble, „brauchen Sie kein Waschpulver mehr“. Das flüssige Vollwaschmittel, so preisen Procter und Henkel, staubt nicht, es gibt weder Klumpen noch Reste wie beim Pulver. Die Plastikflaschen, die in Drei-, Zwei-Liter- und 750-Milliliter-Versionen an den Markt kommen, sind gut verschließbar. Bei besonders hartnäckigen Flecken läßt sich die neue Flüssigkeit gut zur Vorbehandlung verwenden. Gegenüber dem Waschpulverpaket sind die Flaschen zudem handlicher und platzsparender. Und am Ende werden die Flüssigen auch noch als die wahren Energiesparer hochgelobt. Denn ihre besonderen Stärken erreichen sie bei einer Waschtemperatur von 60 Grad, und damit entfällt mit dem Vorwaschen ein ganzer Waschgang. Was den wäschewaschenden Hausfrauen von diesem Herbst an für jeweils rund 20 Werbemillionen in Fernsehen, und Hörfunk und von Henkel auch auf dem Großflächenplakat angepriesen wird, scheint sämtlichen Waschpulvern am Markt den Garaus machen zu sollen. Daran aber kann den Pulverproduzenten Henkel (Persil, Weißer Riese, Fakt, Mustang) und Procter & Gamble (Ariel, Dash) kaum gelegen sein.

„Es gibt“, so erklärt Henkel-Sprecher Werner Baier, „noch kein Waschmittel, das wirklich alles kann. Für unterschiedliche Anwendungsschwerpunkte muß man unterschiedliche Waschmittel nehmen“. Tatsächlich zerfällt der Markt in drei Unterteilungen: