Was für diesen Preis errichtet wurde, verblüfft auch Müllfachmänner. Der Produktionsablauf wurde in einen Gewerbe- und einen Hausmüllstrang unterteilt. In der Hausmüllstraße wird eine Papiermasse erzeugt, die in ihrer Qualität zwischen den handelsüblichen Sorten Zeitungspapier und Mischpapier liegt. Davon werden etwa zwölf- bis dreizehntausend Tonnen pro Jahr erzeugt. Weitere sechs- bis siebentausend Tonnen Papier wird die Sortierung des Gewerbemülls abwerfen.

Aus dem Gewerbemüll werden aber vor allem Kunststoffolien herausgefiltert. Sie werden zu Ballen gepreßt und an die weiterverarbeitende Industrie geleitet – etwa fünfhundert bis achthundert Tonnen im Jahr. Plastikfolien aus dem Hausmüll haben eine geringere Qualität, da sie oft mit organischen Bestandteilen verschmutzt sind.

Neben den Folien werden aus dem Industrie- und Hausmüll weitere Kunststoffe aussortiert. Insgesamt beträgt deren Aufkommen jährlich etwa vier- bis fünftausend Tonnen. Der wiedergewonnene Eisenschrott ist von solcher Qualität, daß er sofort ohne Nachbehandlung wieder vertrieben werden kann. Es wird mit fünf- bis sechstausend Tonnen im Jahr gerechnet.

Sehr schwierig und zeitraubend ist das Ausscheiden von Glas aus dem angelieferten Müll, Die üblichen verfahrenstechnischen Trennprozesse versagen hier. Deshalb kommt dafür ausschließlich die Handsortierung in Betracht.

Nachdem, alle diese Stoffe aus dem angelieferten Müll herausgetrennt wurden, bleiben fast ausschließlich organische Abfälle übrig. Sie werden kompostiert und sollen später bei einer Rekultivierung der Neusser Deponie verwendet werden. Sie kann jetzt allerdings viel länger genutzt werden, weil durch das Aussortieren wieder verwendbarer Stoffe nur noch eine sehr viel kleinere Menge Müll gelagert werden muß. Experten rechnen mit einer Verdrei- oder Vervierfachung der Lagerkapazität. Mindestens ebenso wichtig ist, daß durch das Aussortieren ein großer Teil der Stoffe von den Deponien ferngehalten wird, die sonst das Grundwasser gefährden könnten.

Die Rückgewinnung bietet neben der Altpapiergewinnung auch die Möglichkeit, sogenannte Brennstoffpellets zu erzeugen. Dieser Brennstoff aus Müll, im Fachjargon BRAM genannt, hat einen Energiegehalt, der dem der Braunkohle entspricht. Es wäre technisch möglich, zwischen dreißig und vierzig Prozent des anfallenden Mülls in Brennstoff umzuwandeln.

Der Neusser Prototyp einer wirtschaftlich wirkungsvollen Rohstoffrückgewinnungsanlage hat für alle Beteiligten ausschließlich Vorteile. Die Firma Trienekens hat sich – mit Unterstützung des Ministeriums für Forschung und Technologie – einen kaum mehr einzuholenden Entwicklungsvorsprung gesichert. Das Ministerium hat für relativ wenig Geld ein respektables Aushängeschild bekommen, und die Neusser Bürger brauchen nicht mehr zu befürchten, daß sich ihre Mülldeponie, die nur fünf Kilometer vom Stadtkern entfernt liegt, immer weiter ausbreitet. t&f