DIE ZEIT

Schlechter Witz

Das Archivmaterial wiegt rund ein Kilo, die Sitzungsprotokolle umfassen 250 Seiten: So viel wurde über die Berufung von Walter Jens auf den Lessing-Lehrstuhl in Hamburg geschrieben, geredet, gestritten.

Nicht anstößig

Kein Zweifel: Der anvisierte Agenten-Ringtausch zwischen West und Ost zählt zu jenen Operationen, die besser erst nach ihrem Abschluß bekanntgeworden wären.

Reagan auf der Bremsstrecke

Die konservative Revolution Ronald Reagans ist festgefahren. Angesichts weiterer Etatkürzungen im Sozialbereich – die Regierung fordert Streichungen von zehn Milliarden Dollar – findet die empörte Opposition im Kongreß ihre Stimme wieder.

Schwenk nach Ost?

Damals bekannte Herbert Wehner für seine Partei nicht nur zähneknirschendes Sich-Fügen in die lange bekämpfte Westpolitik der Regierung Adenauer; er machte sie zur Grundlage auch sozialdemokratischen außenpolitischen Denkens.

Falke in Genf

Die amerikanische Delegation bei den Genfer Nachrüstungsverhandlungen wird Paul Nitze leiten: ein straffer elder statesman von 74 Jahren, Archetyp des Ostküste-Establishments – Harvard, Wall Street, altes Geld; seit Jahrzehnten in vielerlei Funktionen eine allgegenwärtige Eminenz auf Washingtons politischer Bühne – Planungschef im State Department, Marineminister, stellvertretender Verteidigungsminister, Salt-Chefunterhändler; in jüngster Zeit Amerikas schärfster "Falke", Gegner von Salt II, Gründer des kaltkriegerischen Committee on the Present Danger.

Zeitspiegel

Der russisch-japanische Streit um das 1904 vor Tsushima gesunkene russische Kriegsschiff Admiral Nakhimow erhält neuen Zündstoff.

"Jetzt ist es Zeit zu kämpfen"

Am Dienstag letzter Woche, dem Tag, an dem in Berlin die acht Häuser geräumt wurden, bin ich morgens gegen sieben Uhr durch dumpf tönenden Trommelwirbel geweckt worden.

Stadt zwischen Grün und Rot

Der schwierige Weg zum inneren Frieden: Mit einer neuen Baupolitik will der Berliner Senat die Situation entschärfen

Gratwanderung für den Kanzler

Die Bundesregierung, voran der Bundeskanzler, brachte sich auf dem Weg des Eigenlobs in Erinnerung. Die amerikanischsowjetische Übereinkunft, am 30.

Ruhe vor der Wahl

Der neue Hamburger SPD-Landesvorsitzende bewies Realitätssinn. "Ich hoffe", so kommentierte Jörg König seine Wahl, "daß wir das, was wir heute aus Parteidisziplin gemacht haben, später aus Oberzeugung tun.

Menetekel in den Kommunen

Das Ergebnis war so eindeutig, daß Zweifel an seinen Ursachen erst gar nicht aufkamen. Die niedersächsische SPD hat am Wochenende, darin waren sich alle Kommentatoren einig, die Zeche für das Bild gezahlt, das die SPD im Bund bietet, und die Grünen haben davon profitiert.

Zum Beweis ein Zehntel Prozent

Keinen besonderen Trost schöpfen die Sozialdemokraten daraus, daß bei den Kommunalwahlen in Niedersachsen auch die Union – trotz des Zwei-Prozentpunkte-Zuwachses – weniger Wählerstimmen als vor vier, Jahren eroberte.

UNO: Enttäuschung für die Dritte Welt

In seiner Rede vor dem Plenum umriß der amerikanische Außenminister Haig die Neuorientierung der Entwicklungspolitik: Mehr Privatinvestitionen, mehr Handel, höhere Währungsdisziplin, verstärkte regionale Zusammenarbeit, politische Stabilität, um Investoren anzulocken.

Bangen um die "Times"

Schon einmal glaubten die Briten das Ende nahe. Am 30. November 1978 erschien die "Times" zum "letzten" Mal. Erst am 13. November des folgenden Jahres war sie wieder auf dem Markt.

Nahost: Kein Schritt voran

Weder Israel noch Ägypten haben übermäßig große Erwartungen in die neue Gesprächsrunde gesetzt. Zu verschieden sind ihre Auffassungen, wie den Palästinensern in den von Israel seit 1967 besetzten Gebieten Autonomie zugestanden werden kann.

China-Berichterstattung: Verwackeltes Bild

Ende 19 77 sandte die kanadische Zeitung Toronto Globe and Mail ihren jungen Ballett- und Theaterkritiker John Fraser als ständigen Korrespondenten nach Peking.

Mao: Tiger und Affe

Pekinger Parteistrategen zerbrechen sich den Kopf darüber, ob Mao Tse-tung, unbestritten einer der bedeutendsten Staatsmänner dieses Jahrhunderts, nur zu sechzig oder doch zu siebzig Prozent ein guter Mensch gewesen sei.

Russische Revolution: Kämpferische Theorie

Der Sieg der Bolschewiki war mit den Namen von Lenin und Trotzki verknüpft – von Stalin war damals kaum die Rede. War Lenin dabei der große Taktiker, so fehlte es Trotzki schon in seinem Kampf mit Stalin gerade an dessen ungewöhnlichem politischen Instinkt.

Österreich: Fast eine Nation

Von den Illyrern bis Kreisky: Friedrich Heers Suche nach der Identität seines Landes / Von Rolf Schneider

Die Sorge, daß die Demokratie in der Bundesrepublik eine wirtschaftliche Krise nicht überleben könnte, war unbegründet: In einem Härtetest

Gleichgültig, welcher Maßstab gewählt wird, im wirtschaftlichen Bereich kam die Bundesrepublik heute nirgendwo mehr gute Zensuren vorweisen: Die Zahl der Arbeitslosen ist mit fast 1,3 Millionen seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr so hoch gewesen; die Inflationsrate pendelt zwischen sechs und sieben Prozent; die gesamtwirtschaftliche Leistung wird in diesem Jahr mit Sicherheit geringer ausfallen als im Vorjahr; alle öffentlichen Haushalte kämpfen mit bedrohlichen Defiziten; die Aufwertung der Mark gegenüber dem Dollar war nur ein kurzes Strohfeuer; zum drittenmal im diesem Jahr mußte sogar in der Handelsbilanz ein Defizit verbucht werden; die Leistungsbilanz wird weiterhin mit tiefroten Zahlen geschrieben.

Börsen contra Politik

Es sollte ein "blauer Montag" werden an der New Yorker Börse, der 28. September, vergleichbar vielleicht mit dem "Schwarzen Freitag" im September 1929, der eigentlich ein Donnerstag war.

Bonner Kulisse

Von mehr Eigenverantwortung des einzelnen, von mehr Selbstbeteiligung war und ist in den letzten Wochen und Monaten viel die Rede gewesen.

Währungskonferenz: Sanftes Grollen in Washington

Auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank in Washington sind Industrie- und Entwicklungsländer zum ersten Mal mit der Wirtschaftsideologie der neuen Administration in den Vereinigten Staaten konfrontiert worden.

Handel/Industrie: Im Märchenland der Profite

Wenn eine Hausfrau einkauft und dem Händler zur Begleichung der Rechnung einen Hundertmarkschein auf den Ladentisch legt, dann erwartet sie, daß dieser davon 31,60 Mark für sich allein einstreicht.

Energieversorgung: Warten auf die Wende

Der Kanzler, selbst nicht gerade ein Ausbund an Geduld, hatte ein Einsehen. Die Bundesregierung werde prüfen, so versprach er in seiner Regierungserklärung im November vergangenen Jahres, ob die Genehmigungsverfahren für Kernkraftwerke nicht beschleunigt werden könnten – ohne Einbuße an Sicherheit und Rechtsschutz.

Frankreich: Ein teures Abenteuer

Langsam lichtet sich der Nebel. Die Regierung in Paris hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, der in vier Kapiteln und fünfzig Paragraphen die Nationalisierung eines großen Teils der französischen Wirtschaft regelt.

Flüssig oder überflüssig?

Die Szenen sind treuen Zuschauern des Werbefernsehens schon vertraut: Die junge Frau betrachtet voller Stolz ihre fertige Wäsche.

Manager und Märkte

Für Norbert Schneider ist die Sache glasklar: "Das ist kein Zufall, da gibt es eine connection." Was den Marketing-Chef des Pappverpackungs-Herstellers Tetra Pak in Rage bringt, ist eine Verbindung von Politik und public relations, die in der Tat kein Produkt des Zufalls sein kann.

Zeitraffer

Kurz vor Eröffnung der Buchmesse in Frankfurt weist der Börsenverein des Deutschen Buchhandels auf nicht gerade üppige Umsatzzuwächse hin: In den ersten sieben Monaten verzeichneten die Händler ein sechsprozentiges Plus in ihren Kassen.

Eine Trendwende ist bereits in Sicht

Lennings: Im Jahre 1960 haben noch 16 Prozent der Studienanfänger ein ingenieur-wissenschaftliches Fach gewählt, während diese Zahl bis 1980 auf rund zwölf zurückgegangen ist.

Mexiko ist zum viertgrößten Erdölproduzenten der Welt geworden. Aber in die Bundesrepublik fließt bisher kein Tropfen: An den Quellen des Öls

Weil in der Hamburger Konzernzentrale der Zeitunterschied nicht ausreichend berücksichtigt worden war, klingelte im vierzigsten Stockwerk des Hotels El Presidente Capultepec in Mexico-City bereits kurz nach fünf Uhr morgens das Telephon: Der von einem vierzehnstündigen Flug noch etwas gestreßte BP-Chef Hellmuth Buddenberg erfuhr, daß der Dollar nach einem wochenlangen Kursanstieg plötzlich ins Trudeln geraten war.

Gewinn aus Müll

Es werde nicht mehr lange dauern, orakelten Umweltforscher in den letzten Jahren immer wieder, und die Menschheit werde in ihrem eigenen Müll ersticken.

Geschäfte mit Altbauten: Ein Ruch von Nötigung

Die Mieter des 70 Jahre alten Jugendstilhauses in der Münchner Emil-Riedel-Straße 8 trauten ihren Augen nicht. Per Post ließ ihnen der Hauseigentümer mitteilen, daß die Miete sich infolge gestiegener Kapitalkosten verteuern würde von 700 Mark für 150 Quadratmeter auf künftig nicht weniger als 2900 Mark.

Falsche Hoffnungen kosten Geld

Bundeswohnungsbauminister Dieter Haack sagt: "Wer bauen will, soll es jetzt tun. Billiger wird das Bauen nicht!" Damit hat er recht, soweit es die Grundstückspreise und die Baukosten angeht.

Ungewiß

Haben die Kursstürze am Wochenbeginn den Grundstein für eine nachhaltige Erholung am Aktienmarkt gelegt? Oder war der rasche Wiederanstieg am Dienstag nur eine technische Reaktion? Ein letztes Aufbäumen, bevor es endgültig in den Börsenkeller geht? Niemand vermag diese Fragen zum gegenwärtigen Zeitpunkt einigermaßen zuverlässig zu beantworten.

Mitarbeiterbeteiligung: Ende einer Utopie

Ich würde gern 200 Jahre leben, um zu sehen, was aus den heutigen Ansätzen wird", offenbarte Hannsheinz Porst vor zwei Jahren dem Schriftsteller Gerhard Zwerenz in einem Interview.

Schweiz: Fast nicht zu glauben

Es geschah während eines Empfanges in Zürich: Der Manager eines Großunternehmens erregte sich über die "feige Regierung"; der Bankier machte seinem Ärger über die "dummen Gewerkschaften" Luft; beide zusammen schimpften auf die Jugend und schüttelten dann den Kopf über die Uneinsichtigkeit breiter Bevölkerungskreise.

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