Für Norbert Schneider ist die Sache glasklar: "Das ist kein Zufall, da gibt es eine connection." Was den Marketing-Chef des Pappverpackungs-Herstellers Tetra Pak in Rage bringt, ist eine Verbindung von Politik und public relations, die in der Tat kein Produkt des Zufalls sein kann. Seit wenigen Tagen nämlich wirbt das Informationszentrum Glas, ein PR-Institut der Glasindustrie, mit einer auffallenden Plakatkampagne für Fruchtsaft in Flaschen. Die Kampagne geht gegen die Konkurrenz, die Flüssigkeitsverpackungen in kunststoffbeschichteten Pappkartons.

Seit wenigen Tagen aber auch denkt Bonns Innenminister Gerhart Rudolf Baum darüber nach, ob er die Wiedereinführung der gläsernen Pfandflasche für Milch erzwingen soll. Auch Milch wird heute vorwiegend im Karton verkauft. Baum und seine Beamten halten die Ex-und-hopp-Kartons für eine Umweltschande. In einem Marktversuch haben sie prüfen lassen, ob die Milchkonsumenten die Rückkehr zur Milchflasche akzeptieren würden.

Zwar haben 15 Prozent der Milchkäufer wirklich zur Flasche gegriffen, doch sie brachten jede Flasche nur elfmal zurück – zu wenig, um die Kartons aus Umweltgründen zu verdrängen. Dennoch hält Baum an der Flasche fest.

Die Glasindustrie will die Gunst der Stunde nutzen und gleich auch noch die Flasche für Fruchtsaft im Sog der Umwelt-Welle nach oben bringen. Doch die Saftflasche, die ja nur einmal verwendet wird, würde die Umwelt wohl noch mehr belasten als die Saftkartons.

Der so gut wie beschlossenen Stahlfusion zwischen Hoesch und Krupp droht Gefahr. Deutlich hat nämlich Ernst Pieper, der Vorstandsvorsitzende der bundeseigenen Salzgitter AG den Wunsch geäußert, die Stahlinteressen seines Unternehmens mit denen der beiden Revierfirmen zu vereinen. Damit stößt er jedoch auf wenig Gegenliebe. Bei Hoesch und Krupp ist man ausreichend damit beschäftigt, die Probleme des geplanten Zweierbundes zu bewältigen, die Einbeziehung eines Dritten würde alles bisher Festgeschriebene wieder in Frage stellen.

Einfach ignorieren läßt sich der Wunsch Piepers allerdings nicht. Der Chef des Bundeskonzerns hat nämlich nicht zaghaft in Bochum oder Dortmund um Einlaß gebeten, sondern seine Forderung gleich in Bonn vorgetragen. Dort stehen ihm die Türen weit offen – Pieper war vor seinem Amtsantritt in Salzgitter als Beamter im Finanzministerium Verwalter des industriellen Bundesvermögens. Und wenn die Bundesregierung die Beteiligung ihrer eigenen Gesellschaft am neuen Stahlbund wünscht, dann kann sie das auch durchsetzen, weil ohne Geld aus Bonn nichts läuft.

Warum sich nun Pieper überhaupt als Dritter im Bunde aufdrängt darüber wird an der Ruhr heftig spekuliert. Die vorherrschend: Meinung ist, Pieper wolle nicht auf die Klöckner-Werke als letzten möglichen Fusionspartner angewiesen sein – schon vor Jahren einmal waren Fusionsgespräche gescheitert.