Auch nach der jüngsten israelisch-ägyptischen Verhandlungsrunde ist unklar, wie und wann den Palästinensern im Jordanland und im Gaza-Streifen Autonomie gewährt wird.

Weder Israel noch Ägypten haben übermäßig große Erwartungen in die neue Gesprächsrunde gesetzt. Zu verschieden sind ihre Auffassungen, wie den Palästinensern in den von Israel seit 1967 besetzten Gebieten Autonomie zugestanden werden kann. Deshalb war die Enttäuschung über das Resultat auch nicht allzu groß: Der ägyptische Außenminster Kamal Hassan Ali und Israels Innenminister Josef Burg beschlossen im Grunde nur, weiter miteinander zu reden, sie wollen ein Grundsatzpapier ausarbeiten, in dem geklärt wird, was unter "Autonomie" zu verstehen ist und welche Befugnisse dem Autonomierat zustehen.

Als "Verbesserung des politischen Klimas" hat Ägypten den Plan von Verteidigungsminister Sharon gewürdigt: Danach soll die Militärverwaltung in Cisjordanien und im Gaza-Streifen abgeschafft und eine zivile Verwaltung eingesetzt werden. Sie könne von Vertretern der arabischen Bevölkerung gestellt werden. Die israelische Armee bleibt nach Sharons Vorstellungen in den besetzten Gebieten.

Die Palästinenser wollen dieses Angebot nicht annehmen. Sie sehen darin nur ein Scheinzugeständnis, weil sich an den tatsächlichen Machtverhältnissen nichts ändern würde.

Weitere Zugeständnisse lehnte die israelische Regierung jedoch bisher ab. Sie will erst einmal Einigkeit im Grundsätzlichen herstellen und dann erst über Detailfragen reden.

Übers Grundsätzliche werden Ägypten und Israel im Oktober verhandeln und zwar in New York und zusammen mit dem amerikanischen Außenminister Haig. Vorerst sind nur die Gegensätze klar: Nach ägyptischer Auffassung kann Autonomie nur darin bestehen, daß die Palästinenser, nach einer Übergangszeit, in einem selbständigen Staat leben können. Das schränkt Israel erheblich ein: Die Palästinenser hätten dann nur das Recht, sie direkt angehende Fragen ohne israelische Vormundschaft zu regeln. Die "Souveränität des jüdischen Staates" über diese Gebiete soll in jedem Fall unangetastet bleiben. G. S.