Von Rudolf Herlt

Auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank in Washington sind Industrie- und Entwicklungsländer zum ersten Mal mit der Wirtschaftsideologie der neuen Administration in den Vereinigten Staaten konfrontiert worden. Für beide Seiten hat ein Lernprozeß begonnen, der sich für die Nord-Süd-Auseinandersetzungen positiv auswirken kann. Rasche Erfolge darf freilich niemand erwarten.

Es wird nichts so heiß gegessen, wie Mr. Sprinkel es gekocht hat." Mit diesem Bonmot hat Wilfried Guth, Vorstandssprecher der Deutschen Bank, in Washington den Prozeß der Abmilderung kommentiert, der zwischen der ersten Ankündigung einer harschen Haltung der neuen Administration gegenüber dem Währungsfonds und der Weltbank durch den Unterstaatssekretär im amerikanischen Schatzamt Beryl Sprinkel und dem ersten öffentlichen Auftreten seines Chefs Donald Regan im Kreise der 144 Mitgliedsländer der beiden internationalen Währungsinstitutionen stattgefunden hat.

Von Sprinkels harter Kritik an Fonds und Weltbank, denen er vorgeworfen hat, sie seien bei der Lösung der wirtschaftlichen Schwierigkeiten nach dem zweiten Ölpreisschock den bequemen Weg gegangen, hätten mit öffentlichen Geldern geholfen und dabei die Bereitschaft zur Selbsthilfe in der Dritten Welt verkümmern lassen, war nur noch eine abgemilderte Fassung zu hören. Besorgte Beobachter interpretierten die amerikanische Haltung dennoch als Versuch der Administration, sich ihrer internationalen Verpflichtungen zu entziehen und sich ausschließlich der Behandlung eigener Wunden zu widmen.

In Washington ist deutlich geworden, daß die Administration daran nicht denkt. Aber sie bringt ebenso wie in der internen Wirtschaftspolitik auch für die Lösung internationaler Probleme eigene Gedanken ein. Sie kreisen um den Kern: Auch Entwicklungsländer dürfen sich nicht darauf verlassen, daß ausschließlich andere dafür sorgen, um ihre Schwierigkeiten in andere lichen Grenzen zu halten. Sie sollten selbst mehr Zur Lösung ihrer Probleme beitragen. Sie sollten ihrer Bevölkerung nahelegen, die Ärmel aufzukrempeln, in die Hände zu spucken und zu arbeiten.

Die Amerikaner lassen keine Gelegenheit vorübergehen, um ihre Überzeugung unters Volk zu bringen, daß in der Entwicklungspolitik eine Wende fällig ist. Diese Position hat Finanzminister Regan auch im Entwicklungsausschuß der Weltbank hart und deutlich vertreten. Das Konzept zur Schaffung einer auf Energiefragen spezialisierten Tochtergesellschaft der Weltbank, das im vorigen Jahr schon debattiert wurde, haben die Amerikaner vom Tisch gefegt. Jeder wußte, daß mit einer neuen Institution nicht auch schon mehr Mittel gewonnen werden.

Aber die Väter dieser Idee, die auf dem Weltwirtschaftsgipfel 1980 in Venedig geboren wurde, hatten daran gedacht, die ölexportierenden Länder der Opec dazu zu bewegen, bei der Finanzierung dieser neuen Institution die Hauptlast zu tragen. Die Hoffnung war, daß mit Hilfe einer Tochter auf das gleiche Eigenkapital des Mutterinstituts ein größeres Kreditvolumen draufgesetzt werden könnte. Das war wohl der Grund, warum die Briten, die Deutschen, die Kanadier und die Franzosen dafür waren. Aber das nützte alles nichts. Solange die Vereinigten Staaten als größte Wirtschaftsmacht nicht mitziehen, hat die Energietochter der Weltbank keine Chance.