Das Archivmaterial wiegt rund ein Kilo, die Sitzungsprotokolle umfassen 250 Seiten: So viel wurde über die Berufung von Walter Jens auf den Lessing-Lehrstuhl in Hamburg geschrieben, geredet, gestritten.

Gut war die Absicht, die am Anfang stand: der Senat wollte an die Idee des Studium generale anknüpfen und einen unkonventionellen Mann holen, der imstande wäre, die Universität vom Geruch der Ausbildungsfabrik zu befreien und über Themen von allgemeinem Interesse zu dozieren. Ein solcher Mann wäre der Tübinger Schriftsteller und Wissenschaftler zweifellos gewesen. Der Plan schlug fehl. Nicht, weil Jens schließlich absagte, sondern weil ihm die Intrigen der Gegner vorab keine Chance ließen.

Eine gute Absicht zu verwirklichen, dazu braucht man Macht und ein bißchen Schlauheit. Schlau waren die Freunde von Jens nicht. Unbedarft stolperten sie in juristische Fallen. Auch an Macht mangelte es ihnen. In Hamburg regiert ja nicht nur die SPD. Die Springer-Presse schoß sich auf den Linken Jens ein, und die CDU, bald auch die FDP und ein paar Nobodys aus der Professorenschaft leisteten Schützenhilfe. Jetzt hat der Senat der Universität den nie berufenen Lessing-Professor in aller Stille beigesetzt. Die Stelle wird gestrichen.

Ein Witz, der mehrere Pointen hat, ist ein schlechter Witz. Die Affäre um den Lessing-Lehrstuhl hat so viele Pointen, wie sie der schlechteste Witz nicht haben kann. Das ist zum Lachen. Grn.