Der schwierige Weg zum inneren Frieden: Mit einer neuen Baupolitik will der Berliner Senat die Situation entschärfen

Von Dieter Buhl

Berlin, Ende September

Die Polizeiberichte verkünden: Beruhigung der Lage. Die letzten Demonstrationen sind ohne Schlägereien und Brandstiftungen abgegangen, ohne Steinwürfe und Plünderungen. Berlin kann aufatmen. Im milden Altweibersommer präsentiert sich die Stadt ihren Bürgern und Gästen wieder so, wie die Werbung sie seit langem mit einiger Berechtigung verkauft: als eine Metropole, die ihre ganz besonderen Probleme hat, aber dennoch die lebendigste, weitoffenste, anregendste Gemeinde Deutschlands geblieben ist.

Die Berichte von den Kämpfen zwischen der Polizei und militanten Jugendgruppen haben einige Stadtviertel über Berlins Grenzen hinaus bekannt gemacht: den Winterfeldtplatz, wo Autowracks und der von brennenden Barrikaden gewellte Asphalt an vergangene Straßenschlachten erinnern; die Postdamer Straße, wo die Schaufenster ganzer Häuserzeilen mit Brettern vernagelt sind und die Mahnwachen für den umgekommenen Jugendlichen Klaus-Jürgen Rattay einen Teil der Fahrbahn blockieren; und natürlich Kreuzberg, wo schon so oft "Randale" war.

Verwüstungen in westlichen Großstädten gehören längst zum gewohnten .Nachrichtenbild. Wir kennen sie seit Anfang der sechziger Jahre aus Harlem und Watts, seit Ende desselben Jahrzehnts aus Londonderry und Belfast, seit kurzem aus Brixton und Liverpool und Zürich. Nun droht Berlin zum Lieferanten der Krawallphotos zu werden. Aber wo herrscht hier die existentielle Not, die in Amerika die Neger, in England die Inder und die jugendlichen Arbeitslosen, in Irland die Katholiken auf die Straßen trieb? Haben wir die Verelendung oder Unterdrückung von Minderheiten in unserem Lande übersehen? Besteht jetzt auch im wohlhabenden, liberalen, friedlichen Deutschland Anlaß zum Dreinschlagen?

Schwächen der Baupolitik