Vor der Bonner SPD-Fraktion versuchte Helmut Schmidt seine Parteifreunde mit kämpferischem Optimismus aufzumuntern. Auszüge:

Ein Regierungswechsel in Bonn löst keines der Probleme der Weltpolitik, keine Probleme der Europapolitik und des Friedens in Europa. Er erschwerte sie.

Er löste auch keines der sozial- und wirtschaftspolitischen Probleme. Ich brauche das nicht auszumalen. Ein Regierungswechsel löste im übrigen auch kein Problem der Sozialdemokratischen Partei. Im Gegenteil: In Hessen würde noch eins hinzugefügt, und in anderen Ländern auch. Im Bundesrat hätten wir dann nicht mal mehr eine Sperrminorität. Das kann man alles in 14 Tagen haben, wenn man es will...

Ich vertrete den Kompromiß. Und ich werde ihn verteidigen gegen Rudolf Augstein vom Spiegel genauso wie gegen Springer und die Bild-Zeitung.

Ich lese heute in der Bild-Zeitung, daß jemand alleine wegen der Erhöhung der Branntweinsteuer in Zukunft monatlich 100 DM mehr für Getränke ausgeben müsse. (Lachen) Ja sicher, diesen Heiterkeitserfolg sollt ihr auf Delegiertenversammlungen erzeugen. Das müßt ihr mal vorrechnen. Damit jemand auf eine Mehrbelastung von 100 DM pro Monat kommt, müßte er pro Monat 131 Flaschen Korn kaufen. Oder er müßte 111 Flaschen Weinbrand pro Monat trinken. Wenn er kein Schnapstrinker ist, sondern es auf die Sektsteuer bezieht, müßte er 153 Flaschen Sekt im Monat trinken. Das ist alles Unsinn, diese Übertreibungen der Springer-Presse oder des Spiegel oder der CDU – genug Aufhängepunkte, um sich mit denen auseinanderzusetzen! Statt dessen streiten wir mit uns selbst herum ...

Macht euch nicht selber etwas vor über die Stimmung unserer Wähler, wenn ihr zuhört, wie die eigenen Funktionäre reden. Das muß ich hier deutlich sagen. Ich stelle anheim, Betriebsversammlungen zu machen. Dann muß man sich allerdings hinstellen und so offensiv sprechen, wie ich hier auch, und nicht als erstes sagen: "Genossen entschuldigt, daß ich noch Sozialdemokrat bin; ich habe euch Schlimmes zu verkünden...

Vielerlei Kritik an einzelnen Punkten dieses Gesamtpakets ist nicht nur zulässig, sondern allzu verständlich. Aber es ist insgesamt ein mittlerer Weg. Da wird weder das gemacht, was Herr Reagan eingeleitet hat und jetzt durch Kürzungen seines Verteidigungshaushalts weitgehend korrigieren muß, damit die Zinsen in Amerika nicht ins Uferlose steigen. Noch wird das gemacht, was wir in einigen europäischen Ländern sehen, mit einer Devisenzwangswirtschaft nach draußen. Wir wollen nämlich nicht angreifen in die Reisefreudigkeit der Deutschen. 40 Milliarden DM tragen die Deutschen dieses Jahr ins Ausland mit Hilfe der vielen Reiseunternehmen. Und nicht etwa die großen Leute. Das ist die Summe vor allem all der Auslandsreisen der kleine Leute. Hier wollen wir nicht eingreifen. Deswegen gehen wir einen mittleren Weg – den müßten wir auch gehen ohne einen Koalitionspartner.