Haben die Kursstürze am Wochenbeginn den Grundstein für eine nachhaltige Erholung am Aktienmarkt gelegt? Oder war der rasche Wiederanstieg am Dienstag nur eine technische Reaktion? Ein letztes Aufbäumen, bevor es endgültig in den Börsenkeller geht? Niemand vermag diese Fragen zum gegenwärtigen Zeitpunkt einigermaßen zuverlässig zu beantworten.

In der Bundesrepublik haben sich die Grunddaten insofern geändert, da jetzt festzustehen scheint, daß wir uns wahrscheinlich länger mit Leistungsbilanzdefiziten herumschlagen werden als bisher angenommen, auch wenn die Bundesbank das im August von 3,5 auf 6 Milliarden Mark. gestiegene Defizit zu verharmlosen sucht. Es grenzt mit Sicherheit den Spielraum für eine autonome Zinssenkung in der Bundesrepublik ein. Wir bleiben also nach wie vor abhängig von der unberechenbaren Zinsentwicklung in den USA.

Deshalb erscheint es als sehr gewagt, wenn immer mehr Banken dazu übergehen, ihrer Kundschaft schon jetzt den Kauf "zinsreagibler Papiere", das sind in erster Linie Bank-Aktien, zu empfehlen. Selbst wenn davon ausgegangen wird, daß der Höhepunkt des Zinszyklus hinter uns liegt, so ist die Chance, daß die Renditen bis zum Jahresende nennenswert sinken werden, nicht allzu groß. Es wird nur wenige Banken geben, die für 1981 glänzende Abschlüsse vorlegen können. Die wachsende Zahl der Konkurse und die steigenden Risiken im Auslandsgeschäft zwingen zu hohen Wertberechtigungen. Und letztlich gibt es für die Banken noch den Problemfall AEG, wo wieder einmal von Forderungsverzichten die Rede ist. K. W.