Kriegsbeute

Der russisch-japanische Streit um das 1904 vor Tsushima gesunkene russische Kriegsschiff Admiral Nakhimow erhält neuen Zündstoff. Dem japanischen Geschäftsmann Ryioichi Sasakawa ist es nämlich gelungen, einen Teil (1,9 Milliarden Mark) der auf 64 Milliarden Mark geschätzten Ladung aus Gold, Platin und Edelsteinen zu heben. Während Moskau das dem russischen Volk von Zar Nikolaus II. abgepreßte Vermögen als sozialistisches Eigentum für die Sowjetunion beansprucht, will der Unternehmer den Schatz gegen die vier nördlichen Kurilen-Inseln eintauschen, die die Sowjets kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs den geschlagenen Japanern im Handstreich entrissen hatten. Der flinke Herr Sasakawa, als Nationalist bekannt, hat bereits eine Geschäftsgrundlage gefunden: Wie die Kurilen als Kriegsbeute der Roten Armee, so sei die Admiral Nakhimov als Kriegsbeute Japans aus dem russisch-japanischen Krieg zu betrachten: "Der Handel ist fair."

Radikal-Kur

Die Vereinigten Staaten haben Thailand aufgefordert, den Opiumanbau mit drastischen Mitteln zu bekämpfen. Im Oktober sollen die Opiumkulturen der Provinz Chiang Mai vernichtet werden, bevor die Mohnpflanze geerntet und zu Heroin veredelt werden kann. Washington will sich mit fünfzehn Millionen Mark an den Kosten beteiligen, um dem Heroingeschäft des burmesischen Drogenkönigs Khun Sa im "Goldenen Dreieck" (Burma, Laos, Thailand), das 1981 eine Rekordernte von 600 Tonnen zu verzeichnen hat, einen Schlag zu versetzen. Die thailändische Regierung fürchtet, diese Radikalkur gefährde die Existenz der armen thailändischen Opiumbauern, die ausschließlich von der Mohnernte leben. Seit zehn Jahren bekämpfen die Behörden den Rauschgifthandel, indem sie ihren Bauern den Kaffee-, Gemüse- oder Obstanbau beizubringen versuchen. Mit Erfolg: in Thailand hat sich seitdem die Opiumproduktion um die Hälfte verringert.

Frontwechsler

Der somalische Präsident Siad Barre, spätestens seit Mogadischu in der Bundesrepublik bekannt, gibt sich große Mühe, die gespannten Beziehungen zu seinem südlichen Nachbarn Kenia zu verbessern. Er versprach, Somalias Gebietsansprüche auf nördliche Teile Kenias aufzugeben und die Shifta-Banditen, die seit Jahren die Grenze zu Kenia unsicher gemacht hatten, zurückzupfeifen. Siad Barre wendet sich vom "wissenschaftlichen Sozialismus" ab; er will einen "Kenia-ähnlichen Kapitalismus" in Somalia einführen. Der Schwenk ist eine gute Nachricht für Amerika: Im somalischen Hafen Berbera wird demnächst ein amerikanischer Marinestützpunkt errichtet; in Mombasa, der Hafenstadt Kenias, sollen ein Marine-Versorgungsdepot und Erholungsheime für erschöpfte amerikanische Soldaten entstehen.

Keine Hoffnung, keine Haft

Sein anerkannt "hoffnungsloses Leben" bewahrte den 24jährigen Bewohner eines australischen Reservats, Aldwyn Peter, davor, siebenundzwanzig Monate hinter Gittern abzusitzen. Peter hatte zugegeben, seine 19jährige Freundin im Alkoholrausch erstochen zu haben. Er gehört zu einem Stamm der Ureinwohner, der für sein gewohntes Wanderleben riesige Ländereien benötigt. Nun wurde im Reservat Uran gefunden; Geschäftsinteressen verdrängen die Aborigines aus ihrem Lebensbereich. In den Reservaten wachsen Aggression und Gewalt. In den vergangenen drei Jahren war dort die Mordrate zehnmal höher als im Landesdurchschnitt. Der durchschnittliche Reservatsbewohner trinkt täglich elf Liter Bier; Aldwyn Peter brachte es auf 600 Gramm reinen Alkohol an einem Tag. Der psychologische Gutachter behauptete vor Gericht: Für den Mord an seiner Freundin seien die unmenschlichen Lebensbedingungen des Angeklagten verantwortlich. Außerdem sei für einen Menschen ohne Hoffnung eine Gefängnisstrafe kein heilsamer Schreck.