Keinen besonderen Trost schöpfen die Sozialdemokraten daraus, daß bei den Kommunalwahlen in Niedersachsen auch die Union – trotz des Zwei-Prozentpunkte-Zuwachses – weniger Wählerstimmen als vor vier, Jahren eroberte. Die SPD haben eben, in absoluten Zahlen, "noch viel weniger Leute gewählt", bilanziert Willy Brandt. Stammwähler sind zu Hause geblieben, Jungwähler haben sich für die Grünen entschieden. Keiner widerspricht den Klagen der Hannoveraner Genossen, schuld sei die Großwetterlage, vor allem also Bonn.

In der Bonner Baracke aber klaffen die Meinungen auseinander. Es handelt sich um die zwei schon geradezu klassischen Erklärungsmuster, für das eine steht der Name Brandts, für das andere der Schmidts.

Fühlt Schmidt sich weiter von Brandt unterstützt? Seine Antwort vor der Fernsehkamera, nachdem er gerade eine halbe Stunde lang mit dem Parteivorsitzenden konferiert hatte: "Das kann man so sagen, ja. Aber man wird auch sagen und hinzufügen dürfen, daß wir gemeinsam dafür kämpfen müssen, daß das Erscheinungsbild der deutschen Sozialdemokratie nach außen wieder einheitlicher wird." Im übrigen, vielleicht nicht bei allen Parteitagen oder Delegierten, aber in der Mitgliedschaft und der Wählerschaft der Partei, "da fühle ich mich eigentlich auf einer sehr gesunden Basis".

Nicht alle im SPD-Präsidium haben Schmidts Meinung geteilt. Brandt jedenfalls soll sich geärgert haben, weil die Kritik nun wieder mal bei der Partei abgeladen wird. Schließlich habe die Regierung im Sommer nicht gerade besonders geglänzt.

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Da hat es die FDP einfacher, sie erklärt einfach das Wahlergebnis zur "Bestätigung eines stabilen Aufwärtstrends". So oft man daraufhin auch verdutzt das vorläufige amtliche Endergebnis nachliest, schwarz auf weiß steht dort nur, die FDP habe um 0,1 auf 6,4 Prozent zugenommen. Zur Ehre einiger Mitglieder des FDP-Präsidiums sei gesagt, daß sie ihrem Parteivorsitzenden. Genscher den Kommentar zur Wahl ausreden wollten. Aber es gibt Fragen, da wankt er nicht.

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