Erich Frister ist schon ein rechter Marxist, wenn denn der Marx’sche Satz stimmt, daß das Sein das Bewußtsein bestimmt.

Auf dem letzten Treffen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften (GEW) warf Frister seinen Kollegen zornig und Knall auf Fall seinen Job als GEW-Vorsitzender vor die Füße, verschwand und ward auf dem Gewerkschaftstag nicht mehr gesehen. Ob seine Kollegen ihm dies nun als Arbeitsverweigerung auslegen werden, bleibt abzuwarten, denn schließlich hätte er noch bis zum 31. Oktober im Amt bleiben sollen. Doch glücklicherweise hatten die Delegierten schon vorher Dieter Wunder zu seinem Nachfolger gewählt.

Zorn hatte Frister gepackt, als die linksgestrickte Lehrergewerkschaft Sympathie mit den Berliner Hausbesetzern demonstrierte und das Räumungsbegehren der „Neuen Heimat“ kritisierte. Unter den Buh-Rufen seiner Kollegen meinte der keineswegs als „Rechtsabweichler“ bekannte GEW-Vorsitzende jedoch, man müsse auch an die Arbeitsplätze bei dem gewerkschaftseigenen Wohnungsunternehmen sowie an – meist in der „rechten“ IG Bau organisierten – Beschäftigten im Baugewerbe denken. Diese hatten in Berlins Straßen gerade gegen die Hausbesetzer demonstriert, weil sie darin eine Gefährdung ihrer Arbeitsplätze sehen, wenn die Sanierungsarbeiten behindert werden.

Erich Frister konnte sich die fristlose Kündigung allerdings ohne Existenzgefährdung leisten. Er tritt am 1. November seinen neuen Job an: als Arbeitsdirektor bei der „Neuen Heimat“, hm.