Wer kurz vor der geplanten Auto-Urlaubsreise schuldlos in einen Unfall verwickelt wird, darf sich einen Leihwagen nehmen, unabhängig von der Entfernung des Reiseziels. Allerdings hat sich der Urlauber vor. her über die verschiedenen Mietpreise zu informieren und ein günstiges Angebot zu wählen.

Einen Tag bevor eine dreiköpfig ge türkische Familie in ihre Heimat fahren wollte, hatte sie einen Unfall, bei dem ein Reisefahrzeug zu Bruch ging, Statt umzudisponieren oder den Urlaub gar abzublasen, nahm sich der Türke für 6699,33 Mark einen Mietwagen. Die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers wollte nicht zahlen, schließlich hätte die Familie ja auch mit der Bahn fahren können, was billiger gekommen wäre.

Doch da irrten die Versicherungsleute. Der Schuldner hat nämlich, so ein Urteil des Oberlandesgerichtes Stuttgart vom 30. Juni 1981, nach dem Grundsatz der "Naturalrestitution" (BGB Paragraph 249) den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen – im Klartext. Da sich der Blechhäufen nicht schnell genug wieder in ein fahrbares Auto verwandeln ließ, durfte er mit einem geliehenen Auto fahren. Keine Rolle spielt dabei die recht ansehnliche Strecke von 8313 Kilometern.

Entscheidend für die Urteilsfindung der Stuttgarter Juristen war die kurze Zeitliche Distanz zwischen Unfall und geplantem Reisebeginn, die keine andere wirtschaftlichere Reisemöglichkeit zuließ, ohne die Urlaubsplanung über den Haufen zu werfen.

Doch ganz ungeschoren kam auch der flinke Türke nicht davon. Er hatte sich nämlich, ganz im Bewußtsein, das Recht auf seiner Seite zu haben, den erstbesten Wagen gemietet –, und der war nicht ganz billig. Hierbei, belehrte das Oberlandesgericht, wäre etwas mehr Sorgfalt durchaus geboten gewesen, denn der Schuldner ist nur verpflichtet, die "verlorengegangene Nutzungsmöglichkeit wiederherzustellen".

Wer also mit einem Kleinwagen in Urlaub fahren will, kann sich als Ersatz keine Luxuslimousine beschaffen. Außerdem muß man auf dem Leihwagenmarkt nach möglichst günstigen Angeboten suchen, selbst wenn sich dadurch der Reisebeginn verschieben sollte. Es gibt nämlich bei manchen Verleihfirmen für längere Urlaubsfahrten Rabatt und bessere Konditionen.

Im vorliegenden Fall schätzte der Stuttgarter Senat den unbedingt notwendigen Aufwand auf 4500 Mark, immerhin 2000 Mark weniger, als der türkische Autofahrer "kalkuliert" hatte und die er nun aus eigener Tasche blechen muß, Obendrein wurden ihm noch fünfzehn Prozent von 4500 Mark aufgebürdet, für Betriebs-, Benzin- und Abnutzungskosten, die auch beim eigenen Auto angefallen wären. Zusammenfassend also: Mietwagen nach unverschuldetem Autowagen – im Prinzip: ja.

Andreas Schulz