DIE ZEIT

Ohne Brandt

Willy Brandt hatte als Vorsitzender der Nord-Süd-Kommission einen Rat gegeben, der fast ein Notruf war, mit Hoffnungen gespickt: Während eines Gipfeltreffens im kleineren Kreis sollten Industrie- und Entwicklungsländer "kühn und unvoreingenommen" das "internationale Klima" verbessern, vielleicht einen "Durchbruch" erzwingen.

Der Kanzler im Streß

Niemand wird bestreiten, daß Helmut Schmidt ein guter Ökonom ist – zeitweise ging sein Ruf, der europäische Allzweck-Wirtschaftsexperte schlechthin zu sein, rund um die Welt.

Flucht in die gemeinsame Angst

Am Mittwoch voriger Woche, am 32. Jahrestag der DDR, fand auf der Karl-Marx-Allee in Ost-Berlin der Vorbeimarsch der Streitkräfte statt.

Der große Magen

Das Undenkbare ist nicht eingetreten. Undenkbar ist, daß die Frankfurter Buchmesse schrumpft. Mit 5465 Verlagen aus 85 Ländern, mit 285 000 Titeln und 84 000 Neuerscheinungen ist sie wieder einmal, wie jedes Jahr, die größte Buchmesse, die es je gab.

Friede auf Eis

Die Frage ist erlaubt: Sähe die Lage im Nahen Osten besser, weniger ernst aus als jetzt, wenn Anwar el-Sadat noch lebte? Hat erst sein Tod den Friedensprozeß zum Stillstand gebracht? Die Antwort: Längst hatten die Israelis zum Beispiel ihre Räumung des letzten, strategisch wichtigsten und von ihnen am stärksten besiedelten Stücks im Sinai von ägyptischen Zugeständnissen in den leidigen, langwierigen Autonomiegesprächen abhängig gemacht – nach der bockigen Devise "piece for peace" (ein Stück Land für ein Stück Frieden).

Zeitspiegel

Die sowjetische Regierung will die Hunde-, steuer heraufsetzen, um Fleisch zu sparen. Weniger Hunde bedeuten – so die amtliche Begründung – zudem einen geringeren Gas- und Badewasserverbrauch.

Vor dem Ende einer Ära: Nach Art der Großfürsten

Die seltenen Pressephotos der letzten Wochen zeigen einen Urho Kekkonen, wie ihn die Welt bisher nicht kannte: Die hochgewachsene Gestalt auf zwei Helfer gestützt, das Gesicht ausdruckslos wie das eines ermatteten Greises, schleppt er sich durch den Garten seiner Residenz Tamminiemi.

"Die Logik des Todes"

Nablus liegt im Hügelland von Samaria. Die Straßen zu der Provinzstadt im ehemaligen Westteil Jordaniens führen durch Olivenhaine.

Als die Träume wahr wurden

Ein stattlicher alter Herr mit Kniebundhosen, Hut und Wanderstiefeln hat seine Gruppe verloren. "Hierher, Hermann", ruft ein junge mit "AKW–Nee"-Plakette.

Wolf gang Ebert: Schlager der Saison

In einer angesichts der hoffnungsvollen Konjunkturlage entspannten und heiteren Atmosphäre fand anläßlich der Frankfurter Buchmesse in Bad Schreckendorf ein Treffen der Mitglieder der APOCAL statt, ein Club, dessen Autoren, sich erfolgreich dem Geschäft der schriftstellerischen Bewältigung des demnächst bevorstehenden Weltunterganges verschrieben haben.

Ausweisung aus der DDR: Selbsttore

Unberührt von den vermutlich geringen polnischen Sprachkenntnissen ihres Publikums, nennen die DDR-Medien die Gewerkschaft "Solidarität" im Nachbarland stets nur "Solidarność".

Eine Partei blendet sich aus

Walter Freiherr von Tiesenhausen ist ein Mann von konservativem Zuschnitt, wie jeder in Bonn weiß. Denn sonst wäre er ja auch nicht der offizielle Sprecher der Christlich-Demokratischen Union geworden.

Bundeswehr: Gespräche im Nebel

An einem naßkalten Donnerstagmorgen warten wir auf einen simulierten Angriff von Panzern und Infanterie. Seit sechs Stunden stehen wir nun schon in unseren Stellungen an einem Waldrand; es herrscht dichter Nebel, und außer den von den Bäumen fallenden Tropfen ist nichts zu hören.

"Hauptstadt der Demonstranten"

Für die gelassene Haltung, mit der sie, trotz aller berechtigter Sorge, alles ertragen haben", hat Oberbürgermeister Hans Daniels allen Bonner Bürgern gedankt.

Das Herz des Kanzlers

Die menschliche Herzmuskulatur würde sich ohne Anregung etwa würde in der Minute zusammenziehen. Erst der Sinusknoten, ein im rechten Vorhof des Herzens sitzendes Bündel spezialisierter Muskelfasern, koordiniert durch seine Impulse die Arbeit der aus je zwei Kammern und Vorhören bestehenden Blutpumpe.

Japan: Peinlicher Besuch

Die Ermordung des ägyptischen Präsidenten Sadat, dessen Besuch für November vorgesehen war, hat die japanische Diplomatie aus dem Gleichgewicht gebracht.

Familie als Fluchtweg

Die CDU-Sozialausschüsse haben am Wochenende in Mannheim eine Erklärung zur Familienpolitik verabschiedet. Deren Tendenz, verfochten vor allem von ihrem alten und neuen Vorsitzenden, dem Berliner Senator für Bundesangelegenheiten, Norbert Blüm, wurde von der CDU-Bundestagsabgeordneten Renate Hellwig attackiert.

Fragen an den Verleger

Ledig-Rowohlt: Wir haben im Jahr 1980 im Rowohlt Buchverlag 56 Neuerscheinungen herausgebracht. Die Zahl der lieferbaren Titel beträgt 385.

Zwei Verlage öffnen ihre Bücher

Als Beispiel für die Unmöglichkeit, heute anspruchsvolle Literatur ohne finanzielle Einbußen zu verlegen, haben wir die zweibändige Ausgabe der Briefe von Musil gewählt.

Rüstungsdebatte: Zurück zu de Gaulle?

Nach dem Machtwechsel in Frankreich hat es relativ lange gedauert, bis Fragen der Sicherheitspolitik zu einem aktuellen Thema geworden sind.

Atomprogramm in den Vereinigten Staaten: Aufwind für die Kernenergie

Die Regierung Reagan ist entschlossen, die zivile Kernenergie in den Vereinigten Staaten zu fördern: Dies soll nicht nur für den Bau von Reaktoren im Inland gelten; Washington will auch den Export erleichtern und trägt sich deswegen mit Plänen, jene Beschränkungen und Hürden zu beseitigen, die vor allem Präsident Carter errichtet hatte, um die weitere Verbreitung von Atomwaffen zu verhindern.

Auszug aus der Allianz

ZEIT-Interview mit dem Führer der griechischen Sozialisten, Andreas Papandreu

Hoffnung für Hellas

Er kommt, er kommt". Die Sprechchöre steigern sich orkanartig. Auf den Hauptplätzen der wichtigsten Städte Kretas, in Chania, Rethymnon, Heraklion stehen die Menschen dicht gepreßt, hingerissen, ihre grünen Parteifähnchen schwenkend.

Umweltschutz: Heizen mit dem Klärwerk

Als Hochbauamtsleiter Arthur Schultheiß aus dem württembergischen Waiblingen im Winter vor dem dampfenden Klärwerk stand, kam ihm die Idee, diese Wärme zu nutzen.

Die Lufthansa-Affäre

Anzusiedeln ist die Lufthansa-Affäre, die seit Tagen viele Gemüter bewegt, wohl irgendwo zwischen Schmierenkomödie und Staatsstreich, wenn man denn die Übernahme eines Unternehmens mit einem Staatsstreich vergleichen will.

Nobelpreis: Geld ist nicht alles

Ein unlösbares Problem dürfte die Frage, was man mit 400 000 Mark anfängt, für James Tobin nicht sein. Denn der 63 Jahre alte Yale-Professor, dem der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften eben jene Summe einbringen wird, hat sich als Wissenschaftler hauptsächlich mit Portfolio-Theorien beschäftigt – mit der Frage also, wie Individuen unter wechselnden volkswirtschaftlichen Bedingungen ihre Vermögen optimal strukturieren.

Frankreich: Alte Rezepte

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser", soll Lenin gepredigt haben – die Folgen sind bekannt. Die französische Regierung hat jetzt ihre eigene Variante von Lenins Parole entwickelt: "Vertrauen durch Kontrolle".

Bonner Kulisse

Die Kostenrechnung, die der Hamburger Wirtschaftsberater Manfred Emcke bislang verursacht hat, ist ein Musterbeispiel für die mehr als miserable Kalkulation des Bonner Verteidigungsministeriums.

Zinsen: Langer Abstieg

Die Senkung des Sonderlombardsatzes von zwölf auf elf Prozent hat in der deutschen Wirtschaft Hoffnungen geweckt. Sie reichen von vorsichtigem Optimismus bis zu der euphorischen Erwartung, daß nun endlich ein Kapitalzins von sechs Prozent wieder in Reichweite sei.

Stahlindustrie: Dünne Haut

Krach, so scheint es, gehört zum täglichen Geschäft der Stahlbosse. Inzwischen hat sich nahezu jeder mit jedem gestritten, die Front verläuft keineswegs nur zwischen Klöckner und dem Rest der Branche.

Moderne Waffensysteme verschlingen Milliarden und können dann nicht optimal genutzt werden. Das Produkt "Sicherheit" ließe sich besser und billiger herstellen: Die falsche Sparsamkeit

Als der Hamburger Wirtschaftsberater Manfred Emcke jetzt sein Konzept vorstellte, mit dem die schwerwiegenden Mängel des Rüstungsmanagements im Bonner Verteidigungsministerium beseitigt werden sollen, fiel eines auf: in dem halbstündigen Vortrag des Industrieberaters kam das Wort "Sparsamkeit" kein einziges Mal vor.

Frankreich: Linke Liebe zum Atom

Vor etwa zwei Jahren zirkulierte in Frankreich eine Petition unter der Devise "Für eine andere Energiepolitik". Sie begann mit dem Satz: "Ich mißbillige die Entscheidung der Regierung für die ‚totale Kernkraft’.

"...zu ordnen, was der Ordnung bedarf"

In seinem Lehrzeugnis wird als besonderer Vorzug "natürliche Bescheidenheit" vermerkt. Doch er wird keineswegs verlegen, wenn ihn David Rockefeller als "den führenden Bankier der Welt" bezeichnet.

Weinimport: Den Antipoden zum Wohl

Man denke, an Känguruhs und Koalabären, an Krokodile und Kakadus, wenn von Australien die Rede ist. Daß am anderen Ende der Welt auch Wein wächst, wissen bisher nur wenige.

Hygiene: Gerangel um die Gunst der Damen

Zwei Mädchen unterhalten sich in Venedig. Ob die Freundin nicht mit zur Gondelfahrt komme? Nein, sagt die andere zögernd, sie fühle sich nicht wohl, und so eine Gondelfahrt dauere.

Früher in Rente

Farthmann: Nach allem, was wir heute wissen, wird sowohl im Hinblick auf die Energieverteuerung als auch im Hinblick auf die technologische Entwicklung die Zahl der Arbeitslosen tendenziell eher größer.

Zeitraffer

Löcher in die Kassen der bundesdeutschen Privathaushalte sie sen auch im September wieder die Energiepreise. So war Heizöl um über vierzig Prozent teurer als vor einem Jahr, und die Benzinpreise kletterten – trotz zur Zeit sinkender Tendenz – noch immer um 27 Prozent.

Manager und Märkte

Endlich eilt jemand der Bundesregierung zu Hilfe: Hartwig Piepenbrock, der sich "Deutschlands bedeutendster Gebäudereiniger" nennt.

Wohnungspolitik: "Die Realität übersehen..."

Der Beitrag von Gerd Bucerius fördert eine Antwort heraus; nicht, weil er verständliche Kritik an einzelnen wohnungspolitischen Entscheidungen übt, sondern weil er grundsätzlich den Wohnungsbau als Aufgabe staatlicher Politik in Frage stellt.

Ernüchterung

Der rasche Szenenwechsel auf den Kapitalmärkten hat die private Bankenkundschaft verprellt. Sie hat sich in den letzten Tagen sowohl vom Renten- als auch vom Aktienmarkt zurückgezogen.

Zuviel Euphorie um sinkende Zinsen

In der Bundesrepublik Ist der Zinshöhepunkt überschritten. Die Bundesbank setzte mit der Senkung des Sonderlombardsatzes das erste deutliche Entwarnungssignal.

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