Über die Schwierigkeiten der Amerikaner, unbelastete Politiker zu finden

Von Theodor Eschenburg

Die Besatzungsmächte haben die ersten Regierungschefs und Minister in den deutschen Ländern bei Kriegsende eingesetzt. Amerikaner wurden manchmal von Deutschen gefragt, wie sie beispielsweise gerade auf Reinhold Maier, den Ministerpräsidenten von Württemberg-Baden, auf Schäffer und Högner von Bayern und auf Geiler von Hessen gekommen wären. Die meisten wußten es nicht oder wollten es nicht sagen. Man kann auch eine Reihe von weiteren Namen wie Heuss, Zinn, Christine Teusch, Ehard und Scharnagl nennen. So schlecht kann die Auswahl der Amerikaner nicht gewesen sein, denn sehr viele von jenen und andere haben die Deutschen später unabhängig von der Militärregierung im Amt bestätigt oder in andere maßgebende Ämter gewählt.

In Publikationen über die Geschichte der Besatzungszeit taucht wiederholt die „Weiße Liste“ der Amerikaner auf, ohne nähere Erklärungen. Ein Fernsehredakteur beim Bayerischen Rundfunk hat im Nationalarchiv in Washington diese Listen eingesehen und berichtet darüber:

Henric L. Wuermeling: „Die Weiße Liste. Umbruch der politischen Kultur in Deutschland 1945“; Ullstein-Verlag, Berlin/Frankfurt/Main 1981, 416 S., 48,– DM.

„The White Liste of persons in Germany belived to be Anti-Nazi or Non-Nazi“, wurde nach Wuermeling Anfang 1942 in Angriff genommen und im Dezember 1944 im wesentlichen fertiggestellt, als amerikanische Truppen schon auf deutschem Boden standen. Diese Liste enthielt Namen von Deutschen, „mit denen man also sofort zusammenarbeiten konnte. Man muß ja irgendwo einen Kern haben, mit dem man etwas mit Sicherheit anfangen kann, und das Konzept war eben, einen solchen Kern zu schaffen“. So informierte ein amerikanischer Kenner Wuermeling über diese Liste und ihre Anwendung. Sie beruhte auf „Aussagen gutgesinnter Kriegsgefangener, Flüchtlingen und geheimer Quellen“.

Unter Flüchtlinge sind in erster Linie Emigranten zu verstehen, von denen Versierte in amerikanischen Stabsstellen arbeiteten, und unter geheimen Quellen die diplomatische Vertretung vor allem in Deutschland bis zur Kriegserklärung Hitlers im Dezember 1941, amerikanische Geschäftsleute in Deutschland und Geheimdienste. Die Liste mußte streng geheimgehalten werden, um, solange das Hitlerregime noch bestand, die auf ihr Genannten nicht zu gefährden. „Nur jemand, der von drei Quellen einwandfrei eingereicht wurde,’galt als einwandfrei.“