DIE ZEIT

Im Aufbruch

Die Behauptung, Europa werde von einer konservativen Grundwelle überschwemmt, ist ein weiteres Mal widerlegt worden. Nach Frankreich hat sich nun auch Griechenland für den demokratischen Sozialismus entschieden.

Tohuwabohu

Für Präsident Reagan und seine Interpreten schien alles ganz einfach und klar: Sollten die Sowjets jemals ihre Panzer gen Westen rollen lassen, müßten sie damit rechnen, durch taktische Atomwaffen gestoppt zu werden.

Noch ein Wunder an der Weichsel?

Die Regale in Warschau sind leer, das System scheint erledigt, regieren unmöglich – nur die Wunder an der Weichsel dauern noch an.

Wagner-Krach

Was kann Lessing dafür, gerade er, daß er Deutscher war? Trotzdem kam es vor Jahren in Jerusalem anläßlich einer Aufführung seiner "Minna" im Rahmen einer "Deutschen Kulturwoche" zu Protesten: Juden in KZ-Kleidung spuckten Juden beim Betreten des Theaters an.

Überlegen in Bonn

So tief scheint Bonn schon wieder in seinen Alltagsgeschäften zu stecken, daß man meinen könnte, die wichtigsten Ereignisse dieses Frühherbstes seien an der Bundesrepublik beinahe spurlos vorübergegangen: Sowohl die Demonstration der fast dreihunderttausend gegen eine Sicherheits- und Rüstungspolitik, die ihre Rationalität immer weniger zu erklären vermag, als auch die Herzbeschwerden des Kanzlers.

Das Beileid des Kanzlers

"Zum Tode des langjährigen Chefredakteurs der ZEIT, Josef Müller-Marein, spreche ich Ihnen und der Redaktion meine Anteilnahme aus.

Zeitspiegel

"Wir müssen sicherstellen, daß dieses sowjetische Imperium, wenn es dann auf Grund seiner eigenen Widersprüche zusammenbricht, das mit einem Winseln tut und nicht mit einem großen Knall.

Über die Siebzigjährigkeit heute

Der Jubilar ist nun schon einige Zeit "weg vom Fenster". Kehrt er gelegentlich ein, so begrüßt man ihn fein am alten Ort gemeinsamen Wirkens, nennt ihn vielleicht sogar "Meister" und fragt: "Wie gefällt Ihnen dies?" und "Wie gefällt Ihnen das?".

Der 40. Präsident der Vereinigten Staaten hat in einem Sturmlauf sein Land "mehr verändert als jeder Amtsinhaber seit Franklin Delano RooseveltDoch während er das hohe Lied vom Kapitalismus singt, fallen in Wall Street die Kurse. Und die "neue Aufrüstung", im eigenen Land Zustimmung findet, droht ihm die europäischen Verbündeten zu entfremden. Wohin steuert Amerika?: Die Revolution des Ronald Reagan

Wer nach längerem Aufenthalt in den Vereinigten Staaten zurück in die Bundesrepublik kommt, erleidet beinahe einen Schock. Zum einen, weil die politischen Unterschiede zwischen hüben und drüben wohl nie in den vergangenen drei Jahrzehnten so groß waren wie in diesem Herbst 1981.

Der Oppositionsführer in Amerika: Aufmerksame Zuhörer

Hat er nun das Zeug zum Kanzler oder nicht? Diesmal schauten die Amerikaner noch genauer hin als bei früheren Besuchen des CDU-Vorsitzenden, obwohl niemand, Helmut Kohl eingeschlossen, die Operation des Bundeskanzlers zum Anlaß von Spekulationen nahm.

Kritik an dem, Volksfront-Vorwurf: Kohls Rohrkrepierer

War alles nur ein Mißverständnis? Aber wenn der CDU-Vorsitzende Kohl die Friedensdemonstranten vom 10. Oktober keinswegs pauschal attackiert, sondern sie vielmehr, wie er behauptet, durchaus differenziert kritisiert hat – weshalb hat dann sein Wort von der "Volksfront", die da im Bonner Hofgarten sichtbar geworden sei, seine Partei so in Unruhe versetzt? Seitdem Kohl am Sonntag letzter Woche den Massenaufmarsch mit diesem Wort belegte, ist sie damit beschäftigt, sich von dem Eindruck abzusetzen, es kennzeichne ihre Reaktion auf dieses Ereignis.

Zum Tode Mosche Dajans: Soldat wider Willen

Noch sein Tod trug symbolische Züge, wie sein Leben: Mosche Dajan, 66 Jahre alt, starb an dem Tag, an dem er vor 25 Jahren als Generalstabschef seinen glanzvollsten Sieg errungen hatte – den Sinai-Feldzug, der nach seinem Blitzkriegkonzept abgerollt war.

Harmonie zwischen Mitterrand und Reagan

Als Valéry Giscard d’Estaing im Dezember 1974, ein paar Monate nach seiner Wahl, seinen amerikanischen Kollegen Gerald Ford treffen wollte, flog er bis zur französischen Antilleninsel Martinique und ließ dort seine Gäste bitten.

Türkei: Die Operation Demokratie

Anfang September, ein Jahr nach der Machtübernahme, zählte General Kenan Evren drei Voraussetzungen für die Rückkehr zur Demokratie auf: Linke und rechte Terroristen müßten ausgerottet, die Wirtschaft müßte reformiert und das parlamentarische System auf neue Grundlagen gestellt sein.

Wenn Walesa reist

Wenn Lech Walesa reist, dann liegt immer eine Überraschung in der Luft. Vor gut einem halben Jahr wollte er schon einmal Seine französischen Gewerkschaftsfreunde besuchen – prompt kam eine große Streikaktion dazwischen, und Walesa war unabkömmlich, Jetzt kehrte der frisch, gekürte Präsident der "Solidarität" Polen für zehn Tage den Rücken – schon wurde Parteichef Kania seines Amtes enthoben.

"Unsere Märkte öffnen"

ZEIT: Merkwürdigerweise hat der Bericht der internationalen Kommission unter Vorsitz des ehemaligen Bundeskanzlers Willy Brandt ausgerechnet in der Bundesrepublik viel weniger Aufmerksamkeit gefunden als in manchen anderen Ländern.

Späte Mahnung

Wer ohne Geschichte lebe, könne die Gegenwart nicht verstehen. Mit dieser Mahnung hat Hamburgs Bürgermeister Klaus von Dohnanyi ein kürzlich herausgegebenes Buch über das Konzentrationslager Neuengamme eingeleitet.

Die Renner der Saison: Städtische Kohlköpfe

Ohne Mist geht überhaupt nichts", sagt Klaus Suttner und doziert über seine Erfahrungen mit der Agrikultur "nach alter Väter Sitte": daß man "nicht unbedingt jede Distel umbringen muß" und auch nicht "wegen eines einzigen Kartoffelkäferchens die Giftspritze rausholen darf.

Keine Vorsorge bei VW

Mit dem Bau von Autos hat das Volkswagenwerk nur wenig Probleme – mit seinem Management um so mehr. Seit VW-Chef Toni Schmücker im Juni dieses Jahres einen Herzinfarkt erlitt, wollen Gerüchte um seine bevorstehende Ablösung nicht verstummen; und jetzt steht offenbar auch noch der Abschied des VW-Finanzchefs Professor Friedrich Thomée bevor.

Bonner Kulisse

Das sogenannte "Zeitungsboten-Syndrom" scheint nun doch auch die Bonner Regierungskoalition befallen zu haben. Denn es sieht so aus, als werde sie ihren Plan, die "Bagatellgrenze" von 390 Mark Monatseinkommen, bis zu der keine Sozialabgaben gezahlt werden müssen, abzuschaffen, nun doch revidieren – eben wegen der Zeitungsboten.

Ungarn: Experiment

Die Ungarn wagen den Sprung ins kalte Wasser, eines liberalisierten Devisenmarktes. Die Trennung seiner Währung in einen Handels- und einen Touristen-Forint, mit der die Zentralbank über verschiedene Kurse gewünschte Entwicklungen zentral steuerte, ist jetzt aufgehoben worden.

Schweiz: Teurer Fehler

Eine Komödie "mit Dürrenmatt’schen Qualitäten", kommentierte die Neue Zürcher Zeitung. Zum Lachen ist den Schweizern denn auch nicht: Der Teuerungsindex, an dem sich die Löhne von drei Millionen werktätigen Eidgenossen orientieren, weist völlig falsche Preissteigerungen aus.

EG-Finanzen: Neue Töne

Es entbehrt nicht der Pikanterie, daß Bonn sich ein europäisches Organ ausgesucht hat, um endlich deutlich zu sagen, was die Bundesregierung nicht länger bereit ist, in der Europäischen Gemeinschaft mitzumachen.

Siemens: Abenteuer Amerika

Für die Elektroindustrie sind die Vereinigten Staaten der wichtigste Markt der Welt. Siemens muß jetzt seine Bauelementefabrik in Arizona verkaufen.

Kernenergie: Neuer Zündstoff

Anfang November wird das Bundeskabinett die dritte Fortschreibung des Energieprogramms von 1973 beraten und verabschieden. Die bislang bekannten Entwürfe enthalten koalitionspolitischen Zündstoff, weil der Wirtschaftsminister zum zügigen Ausbau der Kernenergie aufruft.

Benzinpreise: Das Spiel mit dem Pfennig

Auf der Heerstraße in Duisburg drängen sich die Autos. Ihr Ziel: eine freie Tankstelle, die Benzin zu Preisen feilhält, von denen man vor vier Wochen noch nicht zu träumen gewagt hätte.

Österreich: Einladung zur Krankheit

Ein amtliches Papier sorgt in Österreich für Aufregung: Über eine Untersuchung des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger ist durchgesickert, daß die Sozialversicherung, so wie sie ist, zum Kranksein einlädt.

Zeitraffer

Von Bonner Berufsoptimisten ist er nun gesichtet worden – der langersehnte Silberstreif am Konjunkturhimmel. So erwartet Otto Schlecht, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, eine erhebliche Verbesserung der deutschen Leistungsbilanz und wagt gar die Prognose, daß sich "im nächsten Jahr das Defizit (1980: knapp dreißig Milliarden Mark) mindestens halbiert".

Manager und Märkte

Der Besitzwechsel bei der Löwenbräu AG in München (siehe ZEIT Nr. 42) ist eingeleitet. Die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank hat das bisher bei der Wicküler-Küpper-Brauerei KGaA in Wuppertal liegende 25-Prozent-Paket von Löwenbräu-Aktien jetzt erworben und verfügt damit über die Mehrheit – abgesehen davon, daß ein kleiner Teil davon bei einem unbekannten Partner "geparkt" wurde, um die Anmeldung des Majoritätsbesitzes nach dem Aktiengesetz zu umgehen.

Keine Enttäuschung

Schlesinger: Der Sonderlombardsatz ist ein Zinssatz, der nur für die Spitzenfinanzierung der Kreditinstitute bei der Bundesbank angewendet wird.

Beim Kampf für die Belange der Arbeitnehmer lassen sich die Gewerkschaften von niemandem überbieten – doch wenn sie selbst in der Rolle des Arbeitgebers sind, werden die eigenen Ziele leicht vergessen. Kündigungsschutz, Mitsprache oder "innere Pressefreiheit" gelten dann offenbar wenig: Wenn der Chef ein Kollege ist

Die Helfer vom Roten Kreuz freuten sich: Ihre Altpapier-Sammlung war an diesem Tag besonders erfolgreich. Vor den Pforten eines großen Unternehmens konnten sie gleich ganze Stapel ungelesener, gut verpackter Zeitungen auf ihren Laster laden – alles Gewerkschaftspostillen.

Japan: Musterknabe auf dem Papier

Volker Hauff hat einen neuen Exportschlager aus Japan entdeckt: Verkehrssicherheit. In der Juni-Ausgabe seiner Hauspostille schwärmte Bonns Verkehrsminister von den "unbestreitbaren Erfolgen" auf diesem Feld.

Auf der Suche nach der Zukunft

Den deutschen Investment-Fonds laufen zur Zeit die Kunden scharenweise davon. Die Fonds-Manager denken deshalb intensiv darüber nach, wie sich die Flucht aus den Fonds stoppen läßt.

Gestoppt

Die Ankündigung von Bundesfinanzminister Matthöfer, einen Teil der jetzt errechneten neuen Finanzlücke im Bundesetat 1982 durch höhere Schuldenaufnahme schließen zu wollen, hat den letzten Rest der Zinssenkungseuphorie zum Verschwinden gebracht.

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