Es ging Schlag auf Schlag: erst das Bombenattentat auf eine jüdische Synagoge in Antwerpen, dann das blutige Feuergefecht zwischen Polizisten und Rechtsextremisten in München, schließlich die Festnahme von vier Neonazis im belgischen Gent. Gibt es ein weitverzweigtes Netz des Rechtsradikalismus in Europa?

Seit Jahren machen die Neonazis immer wieder durch Gewalttätigkeiten und Terroranschläge von sich reden. Bislang galten sie, verglichen mit linksradikalen Aktionsgruppen, dennoch als weniger gefährlich. Zwar verfügten sie über bessere und mehr Waffen als die Rote Armee-Fraktion und die Revolutionären Zellen, doch fehlte es ihnen offensichtlich an Zulauf.

Das Bombenattentat auf dem Münchner Oktoberfest, der Mord an dem jüdischen Verlegerpaar in Erlangen, der Schußwechsel an der Schweizer Grenze, bei dem der Neonazi Frank Schubert zwei Zöllner erschoß – diese Terroraktionen der Rechtsextremisten gerieten alsbald in Vergessenheit oder wurden als Einzeltaten versponnener Sonderlinge abgetan.

Beim Bombenanschlag gegen die Synagoge am 20. Oktober im strengbewachten Antwerpener „Diamantenviertel“, das hauptsächlich von jüdischen Diamanten-Händlern bewohnt wird, kamen zwei Frauen ums Leben, 95 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Die belgische Polizei hat bislang nicht eindeutig klären können, wer für den Anschlag verantwortlich war. Eine Gruppe „Schwarzer September“ bekannte sich dazu und kündigte weitere Aktionen an. Belgische Zeitungen waren sich einig, daß nur rassistische Fanatiker „solcher Taten fähig“ seien.

Am selben Abend stoppten Beamte eines bayerischen Sonderkommandos in der Nähe von München ein Auto mit fünf Insassen. Sie zwangen die Männer zum Aussteigen; bei dem anschließenden Schußwechsel wurden zwei Terroristen getötet, einer schwer verletzt, zwei weitere festgenommen. Zwei Polizisten wurden, trotz sorgfältiger Planung, ebenfalls verletzt.

Die verhafteten Terroristen gehören der „Volkssozialistischen Bewegung Deutschlands/Partei der Arbeit“ (VSBD) an, die 1971 von dem ehemaligen NPD-Mitglied Friedhelm Busse gegründet worden war. Sie reisten aus Frankreich ein, wahrscheinlich um in einer „Geldbeschaffungsaktion“ eine Sparkasse zu überfallen. Busse wurde noch am selben Abend in seiner Wohnung verhaftet.

Zwei Tage nach der Münchner Verhaftungsaktion faßte die belgische Polizei in Gent vier Neonazis, die ebenfalls der VSBD angehören. Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe stellte einen Auslieferungsantrag der vier.