DIE ZEIT

Nagelprobe

Die Entscheidung ist gefallen, das "Präsidentenspiel" kann nun auch vor den Kulissen stattfinden. Nach Urho Kekkonens seit langem erwarteten Rücktritt werden sich die möglichen Nachfolger allerdings über eines im klaren sein: Es wird keinem von ihnen leichtfallen, in die Fußstapfen jenes Mannes zu treten, der Finnland ein Viertel jahrhundert lang Stabilität, Wohlstand und vor allem äußere Sicherheit garantierthat.

Rekrutensuche

Eine Verlängerung der Wehrpflicht (auf 16 oder wieder 18 Monate) hilft allein nicht weiter; abgesehen davon, daß die Wehrdienstdauer nicht wie eine Ziehharmonika beliebig in die Länge zu ziehen oder zusammenzupressen ist – je nachdem, wie fleißig der Klapperstorch ist.

Finanzpolitik ohne Maß und Ziel

Sie haben wieder einmal ein "Loch gestopft", eine "Lücke gedeckt" – oder wie immer sonst benannt wird, was mehr und mehr zum Synonym für die Bonner Regierungspolitik im allgemeinen und die Finanzpolitik im besonderen geworden ist.

Langsam geht es zu Ende mit der Koalition

Vor einem Vierteljahr stand in dieser Spalte: "Im Herbst werden die Realitäten uns einholen, Zum einen die politische Wirklichkeit: Wir leben am Ende der sozial-liberalen Ära; auch wenn die Koalition bis 1984 im Amte bliebe, wäre es mit ihrer Gestaltungskraft nicht mehr weit her.

Worte der Woche

"Wir werden den Friedensvertrag, die Rahmenabkommen von Camp David und unsere Beziehungen mit Israel nicht aufgeben, um uns damit die Wiederaufnahme der Beziehungen zu anderen arabischen Ländern zu erkaufen.

Zeitspiegel

Wie entstehen "gemeinsame Erklärungen" von Politikern? Meistens werden sie von den Diplomaten beider Seiten vor einer Reise bis aufs letzte Wort ausgetüftelt.

Leichte Unruhe in den eigenen Reihen

Das Lampenfieber ist unverkennbar. Fünfhundert junge Leute werden in der nächsten Woche auf dem Hamburger CDU-Parteitag in offenen Foren mit den Delegierten diskutieren.

Rückzug aus der Grenzsituation

Unabhängig von allen Details der Außen- und Sicherheitspolitik hat die Auseinandersetzung um den richtigen Weg zum Frieden in Europa eines deutlich gemacht: Wir haben es in Deutschland wie in anderen europäischen Ländern mit einer "Einsichtigkeits-Lücke" zu tun.

Schöngefärbt

Aus dem Vokabular für Abwiegler und Schönfärber: Das hat er nicht gesagt. Das kann er gar nicht gesagt haben. Das wurde aus dem Zusammenhang gerissen.

Südafrika: Pretoria setzt auf Doppelstrategie

Die südafrikanische Haltung in der Namibia-Frage verstärkt im Westen die Hoffnung, daß der Plan zur Befriedung des umstrittenen Territoriums doch noch durchgesetzt werden, könnte.

Spanische Innenpolitik: Kommt die "Große Rechte"?

Die Region Galicien wird gern als das "Grüne Armenhaus Spaniens" bezeichnet; die 2,5 Millionen Einwohner im regnerischen Nordwesten müssen es sich gefallen lassen, als mißtrauisch, verschlagen – und als politisch rückständig zu gelten.

Nahost: Annäherung in behutsamen Schritten

Bei ihren ersten Verhandlungen nach Sadats Ermordung bemühten sich Israel und Ägypten um Eintracht. Doch schon bald drohen die Gegensätze wieder aufzubrechen: wenn es um die Autonomie für die Palästinenser geht.

Amtshilfe, neugeregelt

Seit voriger Woche gelten neue Vorschriften für die Zusammenarbeit von Bundesgrenzschutz, Bundesnachrichtendienst und Verfassungsschutz – ein wichtiger Schritt auf dem langen Weg "Neuregelung der Amtshilfe".

England: Nicht zu stoppen

Er trägt einen berühmten Namen, aber bislang war William Pitt fast ein Unbekannter. Doch bei seinem spektakulären Wahlsieg in Croydon (Süd-London) fand der Kandidat von Liberalen und Sozialdemokraten (SDP) sofort die passenden Worte: "Man sagt, daß keine Macht der Erde einer Idee widerstehen kann, deren Zeit gekommen ist.

Eine Internationale der Neonazis?

Es ging Schlag auf Schlag: erst das Bombenattentat auf eine jüdische Synagoge in Antwerpen, dann das blutige Feuergefecht zwischen Polizisten und Rechtsextremisten in München, schließlich die Festnahme von vier Neonazis im belgischen Gent.

Unmut in Polen: Engpässe wie im Krieg

An der Grenze von der DDR nach Polen stand vor mir ein Wagen aus Belgien mit einem Anhänger voller Mehl und Zucker. "Es soll kein Brot in Polen geben", erklärte der Belgier den mit ihm Wartenden, unter denen viele aus der DDR waren, fast alle mit einem Hund auf dem Rücksitz, unterwegs zur Hundeausstellung in Posen.

Kernkraft voraus?

Pennsylvanias Hügel rollen in sanften, grünen Wellen zum östlichen Ufer des Susquehanna River hinunter, und auf der letzten Kuppe steht der 70jährige Robert Reider.

Bürgermeisterwahl: Bauchlandung auf alemannisch

Eine "Bauchlandung nach alemannischer Art" erlebten die Königsmacher der baden-württembergischen CDU, Ministerpräsident Lothar Späth und Fraktionsvorsitzender Erwin Teufel, in Freiburg: Ihr Wunschkandidat für das Wahlziel "in Freiburg wieder ein CDU-Oberbürgermeister", Wissenschaftsminister Professor Helmut Engler, fiel in der CDU-Wahlkreisversammlung der alemannischen Stadt am Wochenende auf spektakuläre Weise durch.

Ein Fehler in der Rechnung

Für Siegfried Merten, stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft öffentlicher Dienst, Transport und Verkehr, fing der November düster an.

Unsozial wäre oft sozialer

Über Lebensfragen der Nation ist in Bonn wieder einmal unter größtem Zeitdruck, auf Grund unzureichender Informationen und nicht zuletzt unter parteipraktischen Gesichtspunkten entschieden worden.

Bonner Kulisse

Bruno J. Köppl, der Mitarbeiter bei der bundeseigenen Industrie Anlagen Gesellschaft, der indirekt über seine Doktorarbeit den Arbeitsplatz verloren hat, muß wieder eingestellt werden.

Britische Automobilindustrie: Im Treibsand

Mit Samthandschuhen fassen sich die Kontrahenten im Ring nicht an, schon gar nicht bei British Leyland (BL). Aber die jüngste Auseinandersetzung bei diesem schwer angeschlagenen Unternehmen hat eine fast frühkapitalistische Prägung.

Freie Tankstellen: Raubritter

Es hat schon immer zu den Merkwürdigkeiten der Debatte über die Benzinpreise und das Verhalten der Unternehmen in diesem Markt gehört, daß die Freien Tankstellen von manchen Politikern und Publizisten geradezu als edle Ritter im Kampf gegen die Mächte der Finsternis (sprich: die Ölkonzerne) dargestellt wurden.

AEG-Telefunken: Keine Lösung

Bei AEG-Telefunken haben sich die im Unternehmenskonsortium vertretenen Banken "grundsätzlich" zu weiterer Hilfe für den angeschlagenen Konzern bereit erklärt.

Bundesbankgewinn: In Scheiben

Am 17. Juli 1981 schrieb die ZEIT: "Niemand weiß, wie hoch der Gewinn der Bundesbank in diesem Jahr sein wird... Doch der Bundesfinanzminister hat seine Ansprüche darauf schon jetzt angemeldet.

DAG – Lufthansa: Dritter Mann

Der Doppelbeschluß ist brisant: Just als das Ultimatum der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG) an die Lufthansa ablief, nun endlich Tarifverhandlungen über die Arbeitsbedingungen für das fliegende Personal aufzunehmen, beschloß der Lufthansa-Vorstand, den neuen Airbus, der in zwei Jahren in Dienst gestellt werden soll, nur mit zwei Piloten zu besetzen, wenn die Behörde das zuläßt.

Italien: Presse unter Druck

So sehr er auch beschäftigt sein mag – für seine Zeitung, den Corriere della Sera, findet Carlo De Benedetti immer noch Zeit.

Management: Wenn Politiker wählen

Die beiden Ereignisse haben nur scheinbar nichts miteinander zu tun: Die Führungskrise des Volkswagenkonzerns in Wolfsburg und die Probleme der sozial-liberalen Koalition in Bonn.

Frankreich: Das Wunder läßt auf sich warten

Die ersten Signale zur Konfrontation mit der neuen Regierung kamen von der (den Sozialisten nahestehenden) CFDT. Mitte Oktober sprach ihr Generalsekretär Edmond Maire erstmals öffentlich von Enttäuschung und Unmut.

Das Wachstum bleibt aus; die Staatskassen sind leer. Die SPD steht vor einer neuen Situation, mit der sie offensichtlich nur schwer fertig wird: Nicht mehr das Verteilen, sondern das Produzieren muß nun im Vordergrund stehen: Der Staat ohne Füllhorn

Die junge Generation unseres Landes bemüht schon die Historiker oder aber ihre eigenen Mutmaßungen, wenn sie über die Beweggründe nachsinnt, die die Menschen nach dem Zweiten Weltkrieg in der Bundesrepublik bewogen haben, den heute so genannten "Wohlfahrtsstaat" zu schaffen.

Manager und Märkte

Die zur Fusion entschlossenen Stahlunternehmen Hoesch und Krupp sollen sich auf Drängen der Bundesregierung von ihren Beteiligungen an der Ruhrkohle AG trennen.

Zeitraffer

Die fünf führenden deutschen Konjunkturforschungsinstitute erwarten in ihrer Gemeinschaftsprognose, dem sogenannten Herbstgutachten, für 1982 einen schwachen wirtschaftlichen Verlauf.

Eher Einzelgänger

Bei den Betriebsratswahlen 1981 kam die IG Metall in ihrem Organisationsbereich auf über 83 Prozent der Sitze. Doch der Anteil der Unorganisierten wuchs von 12,7 auf über 14 Prozent.

Ein peinlicher Streit ums Geld

Wer von den Zahlen und Kommentaren ausgeht, die in der deutschen Presse in den vergangenen Monaten erschienen sind, muß zu dem Ergebnis kommen, daß "Israel und einzelne Juden" 110 Prozent aller Entschädigungsgelder erhielten, die von der Bundesrepublik Deutschland an Opfer des Nazi-Regimes gezahlt wurden.

Österreich: Kein Staat mit der Staatsindustrie

Österreichs Regierungsmitglieder kommen aus dem Beschwichtigen gar nicht mehr heraus: Vor kurzem wurde ein vertrauliches Papier für den Aufsichtsrat der verstaatlichten Industrie bekannt, das die Lage der Staatsunternehmen schlicht und einfach als "dramatisch" und "katastrophal" bezeichnet.

Fernheizung: Straßenkampf um warme Stuben

Die Kontrahenten sitzen nicht nur beide in Deutschlands "Energiehauptstadt" Essen; sie kommen auch aus dem gleichen Stall. Denn die Steag AG und die Ruhrgas AG sind beide Kinder des Bergbaus.

Der Goldrand verblaßt

Auch wenn zur Zeit von sinkenden Zinsen keine Rede mehr sein kann, werden die Überlegungen, welche Aktien am meisten von billigerem Geld profitieren werden, fortgesetzt.

Japan: Lobby nach Art des Konfuzius

So lange es gilt, Japans weltwirtschaftliche Position auszubauen, schert man sich kaum um die Führungsrolle in der japanischen Wirtschaftsdemokratie.

Rentenversicherung: Ungereimtes in der Truppe

Verteidigungsminister Hans Apel beklagt schon heute den künftigen Nachwuchsmangel für seine Truppe. Wenn der Pillenknick nämlich erst einmal richtig Wirkung zeigt, dann wird der Minister seine liebe Not haben, die Truppe auf die vorgeschriebene Anzahl von Wehrpflichtigen – rund 225 000 – aufzufüllen.

Das 200-Milliarden-Spiel

2. Unzutreffend daran ist, daß ich Bremer Sozialminister bin. Ich bin Leiter des neugegründeten Bremer Instituts für Präventionsforschung und Sozialmedizin (BIPS).

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