Seit Jahren ist der Libanon Kriegsschauplatz. Tourismus findet an dem einst beliebten Reiseziel nicht mehr statt. Die Hotels leben vom Geschäftsreiseverkehr – und dem Warten auf bessere Zeiten. Auch das Libanesische Fremdenverkehrsamt in Frankfurt hofft und arbeitet unverdrossen weiter.

Wir harren aus, solange es unser Land, die Republik Libanon, noch gibt." Mit diesem Bekenntnis begründet Osman Daouk, Leiter des Libanesischen Fremdenverkehrsamtes, sein Durchhalten in der Bundesrepublik. Nach sieben Jahren Bürgerkrieg ist der Touristenstrom von Deutschland in den Libanon so gut wie versiegt. Kein Veranstalter hat das Land mehr in seinem Angebot.

Trotzdem stehen die Luxushotels in Beirut nicht leer. Nach Angaben von Osman Daouk sind sie sogar meist zu achtzig Prozent belegt. Gäste sind vornehmlich Geschäftsleute aus aller Welt, die immer noch ihre Transaktionen über den von allen Handelsschranken freien Libanon abwickeln. Hinzu kommen Libanesen mit ausländischem Ausweich wohnsitz und viele Studenten, denn die Hochschulen des Landes wie die Amerikanische Universität sind weiterhin geöffnet.

Einige First-Class-Hotels wurden sogar neu gebaut, darunter das "Summerland" und das "Carlton". Sie traten an die Stelle der zerstörten Häuser "Intercontinental" und "Holiday Inn".

Das tägliche Leben in Beirut hat sich der Situation angepaßt. Die öffentlichen Dienstleistungen wie Stromversorgung und Telephon funktionieren. Engpässe gibt es bei Bussen und Taxen, weil Fahrzeuge fehlen. In vollem Betrieb sind auch die Badestrände. Kostenpflichtige Beachclubs wie "St. George" und "Summerland" haben keinen Gästemangel.

Das finanzielle Überleben des Staates klappt laut Osman Daouk besser, als man es an Hand der Situation erwarten könnte. Durch die über achtzigprozentige Golddeckung ist das libanesische Pfund (ca. 50 Pfennig) weiterhin sein Geld wert. Die Inflationsrate liegt allerdings seit drei Jahren konstant zwischen 25 und 30 Prozent. Aus dem von keinen Krediten belasteten Staatsbudget wird auch weiterhin die Arbeit des Fremdenverkehrsamtes in Frankfurt bezahlt. Ungebrochen wartet man dort auf bessere Zeiten und auf eine Wiederaufnahme des Touristenverkehrs. Bis dahin will man präsent sein, Flagge zeigen, Kontakt zur Reisebranche halten.

Überlebenstraining betreibt auch die libanesische Fluggesellschaft Middle East Airlines (MEA). Inzwischen gelingt es ihr so gut, daß sie zu den wenigen Luftlinien der Welt zählt, die im letzten Jahr noch Gewinne machen konnten. Als privatwirtschaftliche Gesellschaft operiert sie vorsichtig und verzichtet auf kostenträchtige Prestigerouten. Ihr Streckennetz zwischen Europa, den arabischen Ölstaaten und Afrika beschränkt sich auf Ziele mit starkem Geschäftsreiseverkehr. Hier sind die Maschinen meist zu 75 Prozent ausgelastet. Auch die Verbindung Frankfurt–Zürich–Beirut ist in der Regel gut gebucht, vor allem ab Zürich, wo bei jedem Flug ein paar "Goldjungen" zusteigen. So nennt man im MEA-internen Sprachgebrauch die Edelmetall- und Devisenhändler, welche mit prall gefüllten Aktenkoffern vom Bankplatz Zürich ins devisenrestriktionsfreie Beirut fliegen.

Hans-Georg Ungefug