DIE ZEIT

Mut – drüben

Auch die Deutschen drüben bangen um den Frieden. Das ist selbstverständlich. Sie bekennen sich offen zu ihrer Angst und fordern von ihrem Staat, daß er ihnen helfe.

Illusionen nutzen dem Frieden nicht

Der Streit in Washington um den nuklearen "Warnschuß" zwischen Verteidigungsminister Weinberger und Außenminister Haig hat für den militärischen Laien, der, gerade weil er kein Experte ist, sich eine gewisse Portion normalen Menschenverstandes erhalten hat, das Groteske der heutigen Situation blitzartig beleuchtet.

Gefährlicher Keil

Die Bevölkerung ist zu Opfern bereit. Davon durften die Bonner Politiker bisher ausgehen. Doch von dieser Arbeitshypothese müssen wir jetzt wohl Abschied nehmen, jedenfalls dann, wenn die Gewerkschaftsfunktionäre für die deutschen Arbeitnehmer – und damit für die breite Mehrheit der Bevölkerung – sprechen.

Aus 13 mach 12?

Der Vorschlag der CDU, die dreizehn Schuljahre eines Abiturienten auf zwölf zu kürzen, hat viel für sich. Freilich sollte ihm nicht zustimmen dürfen, wer eine breite Fächerpalette der sogenannten Allgemeinbildung bis zum Abitur mitschleppen möchte nach der modischen Tendenz: Reform der reformierten Oberstufe.

Nothelfer

Die Auseinandersetzung um den Ausbau des Frankfurter Flughafens hat sich dramatisch zugespitzt. Sie hat in Aktion und Reaktion ein Maß an Erbitterung zutage treten lassen, das kaum einer in diesem Großprojekt vermutet hätte.

Zeitspiegel

Auf die angestrengten Überlegungen amerikanischer Nuklearstrategen, die MX-Rakete den Argusaugen der Sowjets zu entziehen, reagierte der ehemalige Salt-Unterhändler Paul C.

Worte der Woche

"Wir müssen den schmalen Grat gehen zwischen der Politik der Franzosen und der Politik der Engländer und Amerikaner auf der anderen Seite, und wir sind mit dieser Gratwanderung, die nicht einfach ist, bisher gut gefahren.

Demonstration in Stuttgart: Suche nach einem Hoffnungsträger

Fast hörbar ist Franz Steinkühler "ein Stein vom Herzen gefallen", als sich im frostigen Dämmerlicht auf dem Stuttgarter Schloßplatz nicht nur, wie erhofft, 40 000, sondern 70 000 Teilnehmer zur Protestkundgebung gegen Arbeitsplatzverlust und soziale Demontage versammelt hatten.

Nach dem Hamburger Parteitag: Triumph und Trumpf für Kohl

Es nimmt nicht wunder, daß Helmut Kohl nun durch die Lande zieht und überall verkündet, die Ära Schmidt sei vorüber, der Regierungswechsel in Bonn näher, als viele glaubten, vielleicht "schon morgen" – ganz im Gegensatz zu seiner bisher bevorzugten Maxime, die Union habe sich auf volle vier Jahre Opposition einzurichten.

Kompromiß in Polen: Dreigeteilte Macht

Es war der Namenstag von Johannes Paul II., der 4. November, der nun wohl als eines der wichtigsten Daten in die Geschichte des realen Katholizismus und imaginären Sozialismus eingehen wird.

Wolf gang Ebert: Brief-Schulden

Na, ’mal Hand aufs Herz: Haten Sie wirklich nicht ahnen können, für welch trübe Zwecke Sie im Namen des Friedens, aber im Interesse der Rüstungslobby, eingespannt werden sollten, und was mit dem schönen Slogan "Wer demonstriert in Moskau?" wirklich demonstriert werden sollte? Na schön, wir schenken Ihnen noch mal Glauben.

Riads Nahost-Initiative: Warten auf Europa

Saudi-Arabien tritt aus seiner diplomatischen Deckung heraus. In Riad tagte Mitte dieser Woche der Oberste Rat des vor einem halben Jahr gegründeten Gulf Cooperation Council.

Israel: Ein Dolch im Rücken der Juden?

Gerade in der Politik, so lautet ein alter Erfahrungssatz, wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Oder gilt das gerade nicht für den Nahen Osten, schon gar nicht für Israel? Aus drei aktuellen Anlässen ließe sich das leicht behaupten.

Saudi-Arabien: Kümmernisse im Königshaus

Aus der Sicht Riads liegt die weichenstellende Bedeutung des vom US-Senat besiegelten Verkaufs der fünf Awacs-Fernaufklärer nicht auf militärischer, sondern auf politischer Ebene.

Ein Land ohne das "gewisse Etwas"

Als Hans X 1949/50 ein Jahr am Bowdoin College in Maine war, studierte er amerikanische Geschichte, amerikanische Politik und amerikanische Literatur.

"Hilfe für die Türkei blockieren"

Zum erstenmal seit dem Militärputsch im September 1980 besuchte ein westeuropäischer Außenminister die Türkei. Von Hans-Dietrich Genschers Reisebericht hängt ab, ob die Bundesregierung 1982 der Junta Wirtschaftshilfe über 460 Millionen Mark gewährt.

Belgien: Wahlerfolg für die Liberalen

Bei den 13. Parlamentswahlen der Nachkriegszeit erteilten die 6,5 Millionen wahlpflichtigen Männer und Frauen der bislang stärksten Partei einen Denkzettel: Die Christdemokraten verloren ein Drittel der Stimmen und erlangten nur noch 61 Mandate.

Nordkorea: Gute Nachbarn

Der südkoreanische Präsident Chon Du Hwan hat dem Präsidenten Nordkoreas, Kim Il Sung, angeboten, er könne jederzeit nach Südkorea zu politischen Gesprächen einreisen.

Atomangst und Abschreckung

Eine "Angst vor Atomexplosionen hat uns die Evolution nicht beigebracht", schreibt Dieter E. Zimmer. Und: "Die Menschen fürchten sich nicht so, wie sie sich in Anbetracht ihrer Gefährdung fürchten müßten.

Deine Angst und meine Angst

Im Auge der Fernsehkameras stand der 19jährige Schüler Jakob Metzger und sagte leise: "Ich habe Angst vor der Zukunft, vor der Zukunft in einer Welt, die geprägt ist von der atomaren Bedrohung, die ausgeht von Ländern wie zum Beispiel der Bundesrepublik oder sagen wir Bündnissen wie der Nato.

Die Arroganz der Ängstlichkeit

In Umfragen schwankt der Anteil derjenigen Mitbürger, die verängstigt sind, sehr stark von Zeitpunkt zu Zeitpunkt. Noch im Sommer 1979 wurden durchweg nur private Sorgen genannt.

Mit erhobenen Händen

Montagabend, 17 Uhr: Es sind längst nicht Zehntausend, wie Tag für Tag in der letzten Woche. die sich wieder vor der Pauls-Kirche eingefunden haben: Spontan – niemand mußte sie auffordern, und jetzt weiß auch noch keiner, wo es langgehen wird.

Theodor Eschenburg: Formalismus?

In Frankfurt tagt in dieser Woche die Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Sie könnte sich auch mit der Benutzung der Hüttenkirche auf der Startbahn West des Frankfurter Flughafens befassen.

DKP observierte Verfassungsschützer: V-Leute aufgelistet

Im Morgengrauen des Freitags vergangener Woche durchsuchten Polizeibeamte das Bezirksbüro der Deutschen Kommunistischen Partei in Kiel und die Wohnungen von etwa zwanzig Mitgliedern und Funktionären der DKP ir Schleswig-Holstein.

Der Judenstern in Nürnberg: Instinktlos

Mehrere Angeklagte im Prozeß um die Nürnberger Massenverhaftungen sind vor Gericht mit einem "Judenstern" auf ihrer Kleidung erschienen, auf dem geschrieben stand "mutmaßlicher Demonstrant".

Wenn ein Journalist zugleich Anwalt ist: Das Joch des Standesrechts

Ein anwaltliches Standesgericht in Stuttgart hat der Pressefreiheit Gutes getan. Der Ehrengerichtshof sprach den Journalisten, ZEIT-Mitarbeiter und Rechtsanwalt Hanno Kühnert vom Vorwurf schuldhafter Pflichtverletzung frei und hob ein erstinstanzliches Urteil auf, in dem Kühnert wegen einer – freilich harten – Justizkritik zu 1000 Mark Geldbuße verurteilt worden war.

Kollegen gegen Genossen

Ende Juli schien die Welt noch in Ordnung. Beruhigt flog Bundeskanzler Helmut Schmidt zum Weltwirtschaftsgipfel in Ottawa. Zwar stand in der Bundesrepublik die schwierige Debatte um die Haushaltssanierung noch bevor, doch seine Kerntruppen, die Gewerkschaften, wähnte er in der Auseinandersetzung an seiner Seite.

Kein Geschäft für Bürokraten

Die Ruhe war nur von kurzer Dauer. Wenige Monate, nachdem sich die Aufregung über die wachsenden Autoimporte aus Japan gelegt hat, gibt es wieder neue Klagen.

Sozialversicherung: Teure Panne

Über den geplanten Fortfall der "Bagatellgrenze" in der Sozialversicherung – wer weniger als 390 Mark im Monat verdient, braucht bislang keine Sozialabgaben zu zahlen, doch das soll sich von Januar an ändern – wird viel geschimpft.

Frankreich: Ohnmächtig

In diesen Tagen ziehen die Franzosen Bilanz. Sechs Monate ist es mittlerweile her, daß sie François Mitterrand zum Staatschef wählten und damit alle ihre Hoffnungen auf die Linken setzten.

Versicherungswirtschaft: Verlockungen

Die deutschen Versicherungen sollen angeregt werden, wieder mehr Geld zur Finanzierung von Mietwohnungen auszugeben. Zu diesem Zweck hat das Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen die Vorschrift über die Mindestrendite geändert, die von den Versicherungen im Wohnungsbau erwirtschaftet werden muß.

Bonner Kulisse

Vertraulich bleiben in Bonn bestenfalls solche Papiere, die als Massendrucksache versandt werden und in der Regel ungelesen in den Papierkorb wandern.

Welthandel: Japan bricht den Schwur

Wenn die europäische Industrie nicht auf Japan zählen kann, darf Japan nicht mehr mit Europas Markt rechnen", warnte der Vizepräsident der EG-Kommission Davignon die japanische Regierung letzte Woche in Tokio.

Kernenergie: Brokdorf in der Schweiz

Mehr als 20 000 Menschen hatten sich auf dem Baugelände der Kaiseraugst AG in der Nähe Basels eingefunden. Die Demonstration wurde zur Manifestation.

Frankreich: Die Rache des Ministers

Nun hat Frankreichs Linke endlich einen Sündenbock. Er heißt Pierre Moussa, ist 59 Jahre alt und hat die zweifelhafte Ehre, von Budgetminister Laurent Fabius persönlich vor den Kadi zitiert zu werden.

Nicht der Staat allein

Roth: Mir geht es nicht um ein Kontrastprogramm zu den Liberalen, sondern um eine beschäftigungspolitische Offensive, zu der alle sozialen Gruppen beitragen müssen – also kein Programm und schon gar kein Konjunkturprogramm.

Zeitraffer

Um 4,5 Prozent – das entspricht exakt der von Optimisten prognostizierten Inflationsrate – werden im nächsten Jahr sowohl die Bruttoeinkommen aus unselbständiger Arbeit als auch die aus Unternehmertätigkeit und Vermögen steigen, schätzt das gewerkschaftseigene Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut WSI.

Manager und Märkte

Eberhard von Kuenheim paßte sich in seiner Diktion geschickt dem Geist des Ortes an: "Die innere Entscheidung ist bereits gefallen.

Berliner Luftverkehr: Tegel kontra Schönefeld

Das waren noch Zeiten: als Politiker von einem Luftkreuz Berlin träumten, als Optimisten dem Flughafen Tegel zehn Millionen Passagiere im Jahr prophezeiten, als während der Verhandlungen über ein deutschsowjetisches Luftfahrtabkommen im Bonner Verkehrsministerium allen Ernstes Berlin-Tegel als Landeplatz für die Lufthansa eingeplant wurde.

Wohnungsbau: Der immobile Markt

Hermann Naumann*, Arbeiter, verheiratet, drei Kinder, Einkommen 2100 Mark monatlich, kommt zur Belegungsabteilung des städtischen Wohnungsamtes.

+ Weitere Artikel anzeigen