In diesem Monat besuchte die erste politische Delegation Nordkoreas die Bundesrepublik, geleitet von Kim Yong Nam, Mitglied des Politbüros und Sekretär des Zentralkomitees der nordkoreanischen KP.

Der südkoreanische Präsident Chon Du Hwan hat dem Präsidenten Nordkoreas, Kim Il Sung, angeboten, er könne jederzeit nach Südkorea zu politischen Gesprächen einreisen. Das Angebot wurde als „Farce“ abgelehnt: „Dieser sogenannte Vorschlag“ – so Kim Yong Nam – „kam kurz nach den Unruhen und Aufständen in Südkorea, die selbst im Westen als diktatorisch-faschistische Unterdrückung bezeichnet wurden. Die Proteste der Menschenrechtsbewegung in den westlichen Ländern haben die Südkoreaner dann gezwungen, einen scheinbaren Umschwung zu vollziehen.

Deshalb sehen wir die Dinge so, daß Chon den Vorschlag nur gemacht hat, um einen Ausweg zu finden und die internationale Öffentlichkeit irre zu führen.“

Auf diese Weise wird die „friedliche Wiedervereinigung“ – Ziel aller Parteien nördlich des 38. Breitengrades – nicht zu verwirklichen sein.

Kim betonte, daß sein Land zur Sowjetunion wie zur Volksrepublik China „gutnachbarliche Beziehungen“ halten wolle. „Das ist auch notwendig, weil wir eine gemeinsame Grenze zu diesen Nachbarn haben.“ Auf die Frage, wer denn der bessere Nachbar sei, wehrte er ab: „In dieser Hinsicht müssen wir auch unsere Selbständigkeit verteidigen. Wir müssen gleich gute Beziehungen unterhalten. Es steht uns auch nicht an zu beurteilen, ob die Konfrontation der beiden Großmächte China und UdSSR einen guten oder schlechten Einfluß auf Asien ausübt.“

Bei dem Besuch Honeckers in Nordkorea 1977 hatte Präsident Kim II Sung ausdrücklich die Existenz der beiden deutschen Staaten begrüßt. Dazu bemerkte der Nordkoreaner: „Kim II Sung hat nur die Tatsache der beiden deutschen Staaten erwähnt. Er hat niemals von der Existenz zweier deutscher Nationen gesprochen. Das hat Honecker vielleicht gesagt, unser Präsident niemals.“

Auf eine Beurteilung der deutschen Frage will sich Nordkorea offensichtlich nicht festlegen: „Das ist schwierig für uns. Das müssen die Deutschen am besten selbst wissen. Wir haben nicht einmal unser eigenes Problem gelöst. Weil wir selbst ein gespaltenes Volk sind, verfolgen wir mit großer Aufmerksamkeit das Schicksal anderer Völker, die auch gespalten sind.“