Der Rücktritt vom vergangenen Wochenende erfolgte nach den Regeln der Regierungs-Junta über die "zeitweilige Abwesenheit" des Präsidenten. Viola leidet an schweren Herz- und Kreislaufstörungen und mußte sich in ärztliche Behandlung begeben, übrigens nicht zum erstenmal in seiner bisher achtmonatigen Amtszeit. Seine Funktion übernahm vorübergehend der 57jährige Innenminister General Horacio Liendo, ein kompromißbereiter und gemäßigter Offizier der "mittleren Linie".

Offiziell gibt sich Buenos Aires den Anschein einer Interims-Lösung. Bekannt ist allerdings auch, daß zwischen Viola und den drei Oberbefehlshabern, die zusammen die Junta bilden, Spannungen herrschen: Die Junta pocht darauf, das letzte Wort zu haben; der Präsident verstand sich als Vermittler zwischen Militärs und Demokraten, die seinem Versprechen eines "politischen Dialogs" vertrauten.

Viola hat freilich die schwere Wirtschaftskrise nicht meistern können. Die Proteste aus sozialer Not haben die ohnehin geringe Neigung der Militärs, bald in die Kasernen zurückzukehren, drastisch verringert. In Augenblick spricht vieles dafür, daß Viola "auf Dauer" krank bleiben wird. Als Nachfolger hat sich bereits der Heereschef, General Galtien, angemeldet, prowestlich und antiperonistisch, kein Feind der Gewerkschaften und offenbar fest entschlossen, den harten Sanierungs-Kurs der ersten Junta-Jahre wieder aufzunehmen.

Präsident Viola hat allen Rückhalt im Militär verloren, das angesichts der Gefahr, nach außen hin zerstritten und schwach zu erscheinen, bewußt Stärke demonstrierer will. Eine Lösung für die Krise tat es freilich nicht anzubieten. -bi