München

Zuerst sah es nach einem großen Erfolg für den bayerischen Innenminister Gerold Tandlerund den Münchner Polizeipräsidenten Manfred Schreiber aus: Am 20. Oktober stellte das Sonder-Einsatzkommando (SEK) der Polizei fünf schwerbewaffnete junge Männer aus dem rechten Untergrund und blieb Sieger nach einem blutigen Feuergefecht in einem Münchner Vorort. Hinter Schloß und Riegel kam auch der Mann, der den jungen Rechtsextremen in München Quartier und ideologische Führung gewährt hatte: Friedhelm Busse, ein 52jähriger Schriftsetzer und früherer NPD-Funktionär, inzwischen selbsternannter Chef des Faschistenklüngels "Volkssozialistische Bewegung Deutschlands".

Der Erfolg der Polizei war allerdings von Anfang an getrübt, weil bei der Schießerei zwei Rechtsextreme ums Leben kamen; ein weiterer wurde verletzt, ebenso der Einsatzleiter der Polizisten. Bedauerliche aber notwendige Folgen eines Einsatzes? Das konnte man einige Wochen lang glauben, bis eine neue Enthüllung nach der anderen den FDP-Pressesprecher Julian Gyger zu dem Satz veranlaßte: "Hätten wir hier Terroristen von der anderen Fakultät, gäbe es längst ein ,Komitee 20. Oktober’, es gäbe Demonstrationen und Strafanzeigen gegen die Polizei."

Denn inzwischen ist bekannt, daß alle Schüsse aus Polizeipistolen kamen. Die Beamten hatten vor der Schießerei beobachtet, wie die fünf jungen Männer ihre Waffen, darunter drei Maschinenpistolen aus Busses Wohnung, in ein Auto luden und davonfuhren. Zwei Polizeiautos stoppten das Quintett. Die Männer verließen darauf wie befohlen ihren Wagen und warfen sich zu Boden. Als dabei eine selbstgebastelte Handgranate aus der Tasche eines der Terroristen fiel und explodierte, begannen die Beamten zu schießen – auf die Verdächtigen, aber auch auf die Kollegen.

Das blutige Trauerspiel ging weiter. Sanitäter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), die kurz nach dem Ende des Schußwechsels erschienen, wagten sich an die schwer verletzten Terroristen aus Angst vor den Handgranaten nicht heran (Darstellung der Polizei) oder durften die Verletzten auf Anweisung der Polizei nicht behandeln (DRK-Version). Das Ergebnis jedenfalls steht fest: zwei Tote.

Der Polizeieinsatz erscheint aus der Rückschau immer fraglicher: Warum hatte die Polizei, wenn sie Busse und seine waffenstarrenden Kumpane schon im Visier hatte, nicht früher eingegriffen?

Warum hatte sie nicht einfach in Abwesenheit des "Führers" und seiner Anhänger die Wohnung mit dem Waffenlager besetzt, um dann später eine unbewaffnete und überraschte Gruppe festzunehmen?